Malawi 2019-6 Mein 6. Bericht

9.06.19 - Holger Keppel

 

Malawi 2019-6

Mein 6. Bericht

Die Woche nach dem Workshop war irgendwie etwas konfus, geplante Termine fanden nicht statt, andere kamen überraschend hinzu usw.

Am DIENSTAG hatte ich eine Einladung zu dem Kindergarten ganz in der Nähe meiner „Behaussung“ Warum ?

Täglich kamen kleine Jungs vorbei um den Azungo ( Weißnase ) ☺ anzuschauen, denen habe ich dann Farbstifte gegeben, dies hat sich dann wohl herumgesprochen und jeden Tag kamen mehr, manche mehrmals. Deshalb hatte ich beschlossen dem Kindergarten hier gegenüber einige Stifte zu geben, dort war ich schon im letzten Jahr, weil mich deren Lieder morgens immer aufgeweckt hatten.

Die Lehrerin hatte mich dann aber über ihren Chairman zu einem Besuch eingeladen. Wg. einer Beerdigung wurde dies dann aber abgesagt, ebenso wurde der Termin beim Direktor Felix auch wg. einer Beerdigung abgesagt…naja, sorry ich dachte doch tatsächlich der drückt sich wg. anstehender Abrechnungen, nee war nicht so ☺

Dafür fand dann der „ Controlling-Termin“ mit dem Buchhalter der URAC statt, den hatte ich im letzten Jahr geschult wie man eine ordentliche Abrechnung vorlegt, die einem städtischen Rechnungsprüfungsamt standhält ( damals das Brunnenprojekt, das die Stadt Rottenburg mit 15.000 € bezuschusst hatte ) dieses Mal ging es um das Toilettenprojekt und den Fond dazu, das hat er wirklich gut gemacht ! Und wird dies bis nächste Woche wenn ich dann in Mzuzu an der Uni bin, meinen Vorstellungen entsprechend, verbessern/ergänzen.

Weitere Unterlagen will er mir nächste Woche in Mzuzu übergeben, die verschiedenen Aufträge SES/DAAD überschneiden sich hier etwas, das Bindungsglied ist Mtafu Manda.

Am Nachmittag ist dann überraschend die Principalin ( gewählte Chief der sechs ( männlichen ) Chiefs der Communities aufgetaucht und wollte mir unbedingt ihren Brunnen mit der Umzäunung zeigen, der Brunnen
funktioniert ausgezeichnet, nur der Ablauf ist noch nicht okay, stehendes Wasser, hier hatte ich die Anmerkungen eines SES-Kollegen aus dem Allgäu in Erinnerung, das überschüssige Wasser fließt nicht ab, staut sich (= Moskitos, vereinfacht dargestellt ), ich bat um Verbesserung.

Neben jedem Brunnen gibt es übrigens noch einen Waschplatz für Kleider, siehe Foto.

Dem war nicht genug, am Nachmittag wurde ich dann noch zu einem anderen Brunnen gebeten, somit war der Tag dann plötzlich ausgefüllt, ganz überraschend ☺

Dieser Brunnen, wenig Wasser trotz 50 m Tiefe, funktioniert sehr schlecht, dabei war dies schon die zweite Bohrung in dieser Ecke.

Hier muss wohl tatsächlich weiträumig eine erneute Bohrung stattfinden. Werde einen neuen Sponsor dafür suchen müssen.

Am MITTWOCH war dann wohl das Meeting mit dem Direktor angesagt,
aber der musste auch auf eine Beerdigung und dann das Meeting mit
den gesponserten Schülern, ich war um 10.00 Uhr da und keiner wusste
davon !! ☺ Das haben die dann aber sehr schnell hinbekommen, 60
Schüler zusammenzutrommeln, das hat dann auch gut geklappt, ich habe
den 10 Besten aus allen Klassen sehr schöne Geometriesets übergeben,
dann die ( wenigen ;-) Briefe der Paten und alle anderen bekamen je
einen sehr schönen hochwertigen Zirkel als Motivationsanreiz, am Ende
dann noch das übliche Gruppenfoto und danach – erstaunlicherweise –
kamen etliche Patenkinder auf mich zu und baten um Fotos ihrer Paten.
Am Nachmittag fand dann zuerst der Termin mit dem Kindergarten in
meiner Nachbarschaft statt etliche Mütter und Väter und rund 40 Kinder
waren anwesend, der Lehrerin hatte ich dann noch Malbücher gesponsert
von OSIANDER übergeben, dies mit dem etwas doofen Hinweis, sie möge
doch die einzelnen Seiten vorher fotokopieren um somit die Seiten mehr-
fach nutzen zu können, naja, dann bekamen alle Kinder einer 3-er Set Farb-
stifte und zum Schluss habe ich dann noch auf meiner Mundharmonika
gespielt, ich kann dies zwar nicht wirklich, aber den Kindern hat es gefallen.
Danach kam der der Chairman und hat mir erklärt sie hätten keine Foto-
Kopiergerät und auch keine Geld Kopien zu bezahlen, naja hätte ich mir ja
Denken, kostete 15.000 Kwacha, dann habe ich denen 20 € privat gegeben.
Die ganzen sehr schönen Schulmaterialien hatte übrigens W. Kucher,
Co-Rektor der Hohenberg Werkrealschule beschafft und gesponsert,
hierfür ganz herzlichen Dank, für hiesige Verhältnisse ein kleines Vermögen.

Am Donnerstag fand dann doch noch das Gespräch mit dem Direktor über
die laufenden und künftigen Projekte statt, war sehr gut ,
sogar eine Zwischenabrechnung des Kindergartens wurde vorgelegt, die
Quittungen dazu gab es dann in einem kleinen Karton ☺, aber immerhin.
Wir waren uns einig, dass nicht alles auf einmal geht, so sieht das weitere
Programm vor, sofern es mit den Zuschüssen klappen sollte, der Bau von
drei Lehrerwohnungen zum Ende des Jahres, zwei weitere Wohnungen
2020 und die Community School Hall in 2021, wenn es Zuschüsse gibt.
Somit war der Tag dann auch schon zu Ende ☺
Und am Abend kam mein Freund der Gecko Max wieder zu Besuch,
es scheint wohl doch noch genügend Moskitos hier zum Fressen zu geben.

SORRY, wenn dies jetzt alles etwas langweilig tabellarisch daherkommt,
aber ich verliere hier immer das Zeitgefühl und weiß nie welcher Tag gerade
ist, irgendwie malawisch halt, bei denen die länger hier sind färbt das
sichtlich ab, kommt Zeit kommt Rat, geht auch später noch.
Wie alle Jahre wieder wache ich hier bereits um 6.00 in der Frühe auf und
überlege soll ich jetzt, oder nicht und dann stehe ich doch tatsächlich bereits
um 7.00 Uhr auf richtig abartig für mich, hat aber auch seine Vorteile, was
man da bis 9.00 Uhr schon alles an Mails abarbeiten kann ist beachtlich.

Am FREITAG war hier Feiertag und weil unser eigentlicher
Wochenendausflug auf die Likuma Insel nicht zustande kam sind Rüdiger
Packmohr und ich nach Karonga gefahren und wollten auch an den See,
endlich, es war sehr heiß, bei drei Banken haben wir versucht Geld zu
bekommen, aber die Automaten waren wohl leer, das gibt es hier ständig.
Danach Einkaufen, nach einer Woche ohne ein Glas Rotwein, wollte ich
Mal wieder ein Glas trinken, habe einen südafrikanischen Cabernet
Sauvignon, Jahrgang 2015, fast ein Bordeaux gekauft, mon dieu, war der
teuer, soviel Luxus war mir schon fast peinlich und weil mich der benach-
barte Kindergarten doch noch sehr beschäftigt hatte 40 Kinder und keine
Spielsachen habe ich in Karonga zwei Bälle gekauft, rot und gelb, siehe Foto,
die Lehrerin war richtig happy ☺

Dann sind wir an den See und ich zumindest mit den Füßen ins Wasser,
schön war es, ruhig, fast paradiesisch, unglaublich….:-)
Danach waren wir hinter dem Museum zum Mittagessen, drei Personen
für zusammen rd. 7 €, da war der teure Wein schon fast refinanziert, wir
laden „meinen“ (URAC, that´s your driver now, Zitat Mr.Manda) Driver immer zum Essen ein und bezahlen das Benzin, sein Name ist einfach zu merken, er heißt nämlich wie unser Rottenburger Stadtteil Seebronn ☺

Er ist immer noch glücklich, dass er durch uns erstmals nach Livingstonia kommen konnte, sehr netter Kerl.

Überhaupt die Urac-Truppe hier ist richtig nett, Precious, meine „Hausdame“, sowieso, aber die beiden jungen URAC Mitarbeiter Faith und Solomon auch, wir haben viel Spaß miteinander, mittlerweile verstehen sie meine Späße und fragen dann manchmal ob dies jetzt ein „Joke „ war ☺

Am Abend waren wir beim Direktor Felix und seiner Frau Monica eingeladen, der Chairman des Schulkomitees war auch mit dabei, war sehr schön, viele Lobeshymnen für die Unterstützung des Vereins, natürlich usw.

Aber alles sehr ehrlich und voller Dankbarkeit, nüchtern betrachtet ist unser Vereinsengagement für die Schule und die umliegenden Gemeinden für die
wie ein 6- er im Lotto !! ☺

Am Ende gab es dann natürlich wieder ein Reisgeschenk, zum Glück nicht so viel wie im letzten Jahr, leider aber ein großes 5 Kilo Paket, das man nicht aufteilen kann.

Dieser Tage kam ein ältere Frau zu meinem Haus, sie wollte endlich einmal den Dr. Hooga sehen, ich bin ja hier mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund, DIE bekommt den Reis, habe ich beschlossen. Diese Frau wohnt in der Nachbarschaft unserer Freiwilligen und kümmert sich seit Jahren um die Freiwilligen, das angebotene Eco San Klo oder das Energiepacket kann sie nicht finanzieren, sagen die Freiwilligen…..dann eben 5 Kilo Reis ☺

Gerade kommt Max mein Gecko- Freund wieder an der Wand vorbei ☺

Am Samstag, dann ein richtiges Großereignis, die GRADUATION CEREMONY für die Form 4, warum man hier die Abschlussfeier VOR den Prüfungen feiert werde ich später erklären. Alles perfekt malawisch geplant, siehe Anhang, es ging dann aber nur mit einer Stunde Verspätung los, warum, anscheinend war das Sitzmöbel für uns Ehrengäste nicht entsprechend, so fuhr man dann mit
dem vom uns finanzierten Kleinlaster in die Wohnung vom Direktor um dessen Plüschsofa aus seinem Wohnzimmer heranzukarren ☺

Weil das alles doch sehr interessant und umfangreich war, erfolgt ein eigener Bericht, um 14.00 Uhr war dann Schluss.

Der Direktor Felix und sein Chairman wollten uns dann noch unbedingt dem TA
( Traditional Authority ) Wasambo, gleich in der Nähe „ vorführen“, diese TA’s sind die obersten Chiefs aller Chiefs, so wie in anderen afrikanischen Ländern
kleine Könige, das gleich in der Nähe stellte sich dann als eine einstündige Autofahrt über eine fürchterliche Road heraus, angeblich war der TA sehr glücklich über unseren vom Direktor nicht angekündigten Besuch, wollte aber unbedingt noch ein Foto siehe Anhang, u. a auch sein Wohnzimmer, nur das dauerte auch wieder, weil sich seine Frau erst fotogerecht umziehen musste.

Zum Abschied bekam ich fünf kleine Eier geschenkt, mit dem Hinweis, wenn ich diese unter ein Huhn lege, käme Nachwuchs, doof dass ich die von der Schule geschenkten Hühner schon weiter verschenkt hatte, es hat aber trotzdem sofort geklappt, siehe Foto im Anhang.

Dieser Trip hat aber dem Felix immernoch nicht gereicht, also ging es weiter in die Berge um das dortige E-Werk von ESCOM anzuschauen.

Für den Abend hatte ich meine Hausdame Precious und Meta zum Abschiedsessen ( Lisa war schon weg ) eingeladen, Rüdiger natürlich auch.

Meta konnte dann aber nicht, weil sie selbst Besuch erwartete aber plötzlich war dann die Rückbank in dem kleinen Auto, neben Precious noch mit Faith und Solom belegt, so dass Rüdiger kaum noch Platz hatte, na denn.

Dort haben wir dann fast zwei Stunden auf das Essen gewartet, Precious und ich hatten je ein kleine Pizza bestellt, nach einiger Zeit lautet es: kleine Pizzen gäbe es nicht mehr, also haben wir zusammen eine große Pizza bestellt, die beiden Burschen Faith und Solomon hatte je einen Fisch bestellt, nach einiger Zeit wurde mitgeteilt, es gäbe nur noch einen, Rüdiger hatte einen Burger bestellt um bekam Chips, und zusätzlich gab es noch einen Teller Reis mit Chicken, das keiner bestellt hatte….. war alles fast luschtig ☺

Aber trotzdem ganz lustig und nett mit den jungen Leuten von der URAC
Schnelles kurzes Fazit, dies war eine gute Zeit hier, die Projekte laufen, die Abrechnungen, wenngleich etwas holprig, sind stimmig….

Morgen früh geht es dann nach Mzuzu, dabei hat Mr. Mtafu Manda schon gleich wieder meine Pläne durchkreuzt und mir einen Termin mit Kinnear (unsere andere NGO )auf Auge gedrückt, wegen SES-Angelegenheiten, Kinnear

Ist auch noch der SES-Repräsentant für den Norden von Malawi und am Abend 7 pm hat er mich zu einem Dinner zu sich nach Hause eingeladen, das fand ich dann doch beachtlich !

Jetzt ist gerade 24.00 Uhr und nebenan im Kindergarten, eigentlich eine lokale Gospel-Kirche geht gerade die Post ab, unglaublich diese Lebensfreude, auch heute Morgen die Tänze und Musik der Schüler*innen bei der Schulfeier ☺

Unglaublich, das Leben ist eben einfach schön, es hat nur keiner gesagt, dass es einfach ist….wenn dann noch ein Schuss malawische Gelassenheit hinzukommt,kann man es ja aushalten ☺

Bis demnächst in diesem Theater