Malawi 2019-5 Mein 5. Bericht

4.06.19 - Holger Keppel

 

Malawi 2019-5

Mein 5. Bericht

Gestern war es dann soweit, nach langer Vorbereitung per Mailverkehr zwischen Muzuzu und Rottenburg, der WORKSHOP konnte stattfinden.

Thema :

Verbesserung der Lebensverhältnisse von Familien insbesondere von Frauen

Ich habe in der Landessprache Chitumboka mit : Mawuka Makora begrüßt.

Es ging dann nach malawischer Zeit erst 90 Minuten später los, aber so ist es halt und um es vorab zu sagen, es war eine richtig gute Veranstaltung mit 34 Teilnehmern. Alle sechs Chiefs, ausgewählte Frauen aus den Villages Commitees, verschiedene Districtvertreter, alle bekamen für „transport and allowances“, man könnte auch sagen eine Aufwandsentschädigung – wie unsere Gemeinderäte bei ähnlichen Veranstaltungen- allerdings jeder „nur“ 2400 Kwacha = 3 Euro, für hiesige Verhältnisse schon ansehnlich ☺

Am Vormittag haben unsere beiden NGOs URAC ( Mtafu Manda) und PDO (Kinnear M.) über unsere Projekte ( hier allseits bekannt ) berichtet, siehe Fotos im Anhang, dies war ein guter Vormittag mit engagiertem Meinungsaustausch und Diskussion, weil die Konferenzsprache allerdings Chitumboka war, da ging für uns, die beiden deutschen Freiwilligen und mich natürlich viel verloren, insbesondere warum es wann und warum gerade lebhaft wurde, Mtafu Manda hat das Wesentliche zwar immer übersetzt.

Ein nettes Beispiel sei erwähnt: Ein Chief aus einer Community hatte gefragt, ob Dr. Hooga ( das bin ich ) nicht auch die gemauerte Einzäunung für seinen Brunnen finanzieren könnte, er hatte dies in einer anderen Community gesehen, Mtafu Manda hat dies dann gleich clever und geschickt an die zuständige Principalin ( Chefin aller sechs Chief in Chilumba ) weitergereicht, dort gibt es dies, die hat den Kollegen richtig abgebürstet, da braucht ihr Dr. Hooga nicht, könnt ihr selber machen und aus den Gebühren finanzieren. Das Water Commitee sammelt monatlich 100 bzw. 200 Kwacha ( 1 € = 850 Kwacha ) von allen Familien ein um damit den Unterhalt und evt. Reparaturen zu bezahlen, das passiert tatsächlich, ich habe die gesamten Listen einsehen
können, manches funktioniert in Malawi richtig gut, bin immer wieder erstaunt! ☺

Am Ende des Vormittags wurde dann noch das Näh-Patenschaftsprogramm, als gesetztes Vorabergebnis des Workshops vorgestellt, ergänzt durch einen Beitrag von Alexander K. von Taste of Malawi, aus Lilongwe, der sprach dann in Chichewa, haben alle außer mir verstanden, war aber gut !

Danach ging es dann zum GROUP LUNCH ( ganz wichtig nach Mtafu Manda ) zu meinem Haus unter dem großen Mango Baum, dazwischen noch das obligatorische Gruppenfoto auf dem Bauplatz unserer künftigen Village Clinic.

Leider hatte Manda vergessen, dass wir ja dort einen symbolischen Spatenstich machen wollten ( ground ceremonie ) weil ich nicht wusste was Spaten auf Englisch heißt, im Gegensatz zu eine Hacke, hatte ich extra eine Zeichnung gemacht ☺ Naja auch egal, jedenfalls wird in Kürze mit dem Bau begonnen und das Gruppenfoto dort ist ja auch sehr nett ☺

Unter dem Mangobaum herrschte dann wieder die malawische Hierarchie vor, die Principalin, die Senior Chiefs ( ältere Herren) Manda und ich, hatten einen Tisch, die Männer alle Stühle und die Frauen durften auf dem Boden sitzen, hm……

Nach dem Essen durften alle Männer- Außnahme, die unserer NGOs – nach Hause gehen und es blieben nur die Frauen.

Danach erstes Brainstorming über Probleme, die die Frauen so haben und Themenfindung, folgende Punkte haben sich herauskristalisiert :

- poverty/ Armut, wie kann man Geld verdienen,
- nutrition /Ernährung,
- agriculture
- family planning

So wurden dann vier Gruppen gebildet und die arbeiteten nach der „World-Café –Methode, die hatte ich hier letztes Jahr eingeführt und Mtafu Manda , der Senior Lecturer war richtig begeistert, muss ich jetzt bitte nicht erläutern gerne auf Bedarf, als jeweilige Sprecher pro Tisch haben die Mitarbeiter der URAC/ PDO assistiert und die Gruppen haben dann die Tische gewechselt, Kaffee gab es im World Café nicht ☺

Prima gelaufen, bevor die Ergebnisse der Gruppen vorgetragen wurden habe ich eine Testumfrage gestartet, bezgl. der Prioritäten zu den vier Themen.

Jede Teilnehmerin durfte drei Punkte verteilen.

Und das Ergebnis war für mich dann doch sehr erstaunlich, die Familienplanung landete auf dem letzten Platz und das in Afrika ??? Das habe ich dann nicht wirklich verstanden, auf meine Nachfrage am heutigen Morgen bei der Analyse

des Workshops mit den Kollegen bekam ich zu Antwort „ shame „ wg. mir angeblich und der anwesenden Männer, denn eigentlich wollten sie dies schon, siehe auch im Anhang, eine detailliert Auflistung der Gruppenarbeit.

Jedenfalls ARMUT war das größte Problem, und wie man da über „business“ herauskommt, diese hängt natürlich eng zusammen mit einer besseren landwirtschaftlich Bearbeitung und in der Folge eine bessere Ernährung, jetzt einmal vereinfach dargestellt.

Ernährungskurse, eine Tree nursery, danach Baumpflanzungen, Fruchtsaftproduktion, ein Hühnerprojekt etc. fanden als erste Beispiele guten Anklang, alles je zur Eigenversorgung und auch zum Verkauf, hinzu kommt noch das Nähprogramm……

Zum Schluss hatte ich noch eine spontane Idee, dass auch die Männer je drei Punkte vergeben sollten, für mich wollte ich dies dann eigentlich nicht tun, aber die Frauen haben darauf bestanden, naja geprägt aus meiner kommunalpolitischen Vergangenheit tue ich den Frauen ein Gefallen und kreuze deren Prioritäten an, aha könnte jetzt Einer sagen typisch , der dreht sich nach dem Wind, ich habe dann aber spontan drei Punkte für die Familienplanung vergeben und jetzt nicht zu glauben ich bekam richtigen Beifall, die Frauen waren richtig begeistert, versteht dies jetzt EINER/ EINE.

Fazit , wie eingangs schon erwähnt, war dies eine richtig gute weiterführende Veranstaltung und auch ein Erfolg !! Und somit für den Aufwand sehr zufriedenstellend.

Heute morgen haben wir dann entschieden auch die Familienplanung ins Programm aufzunehmen, die URAC wir einen Workshopbericht verfassen, dann ein Proposal für ein Gesamtprojekt und ein vorläufiges Budget entwerfen und dann werden wir entscheiden wie es weitergeht !

Bei der SES kommt nach einem solchen Einsatz immer die Anfrage nach Folgeprojekten, dies wird dann über den Verein in den nächsten Monaten entwickelt ☺ Und ich denke dass diese Projekte gegenüber unseren Bauprojekten schon – finanziell – überschaubar sind, trotzdem ist, wird der Spendentopf hiermit eröffnet, sorry das musste jetzt natürlich kommen, Spendenkonto im Anhang