Malawi 2018-11 Entspannt zwischen den Palmen

26.05.18 - Holger Keppel

 

Malawi 2018-11

Malawi 2018 Nr. 11

Ich sitze hier im Korean Garden und schaue völlig entspannt zwischen den Palmen zum Swimmingpool: Schon zwei Termine heute erledigt, zuerst der Termin in der Botschaft und dann noch mit Nevas, einem früheren Kollegen von der CCODE, den ich geschult hatte.

Zwei kommen noch, Patrick, der mit dem Klaus Guest House, hat gerade seine Verspätung angekündigt. “That is flexible time in Africa”, hat mir Mtafu Manda erklärt: Wenn ein Malawier sagt : „I am coming“, heißt das nicht, dass er gleich kommt, sondern später, und eigentlich will er damit sagen, dass er kommen will, und dies hat als sprachlichen Hintergrund, dass alle Malawier erst in der Grundschule Englisch lernen, ansonsten nur die jeweilige Landessprache (Chichewa oder im Norden Chitumbuka) sprechen, und dies auch das ganze Leben lang, wenn sie unter sich sind, und insofern gibt es viele „Übersetzungsmissverständnisse“.

Heute hatte ich ein sehr interessantes Gespräch in der Deutschen Botschaft mit der stv. Leiterin der Entwicklungszusammenarbeit (Entwicklungshilfe darf man ja nicht mehr sagen), u.a. über Bildungsfragen in Malawi: Sie hat u.a. berichtet, dass 30% der Schüler in den ersten beiden Grundschulklassen durchfallen und wiederholen müssen. Da die Lehrer die Colleges in den Städten besuchen, wollen sie nicht mehr zurück in die „Pampa“.

    Der nächste Termin mit Patrick ist schon 20 Minuten überfällig

Und deshalb seien die Lehrerwohnungen so wichtig! Für staatliche Schulen würden diese sogar von der KfW bezuschusst.

Ja, die Dame war schon sehr kompetent. Als Stadtplaner hatte mich dann noch insbesondere interessiert, warum es in Malawi keine GIZ-Planer mehr gebe. In meinen ersten Jahren 2012-13 hatte ich noch insgesamt sieben kennengelernt, heute ist eigentlich nur Peter Schramm dort, aber mit ganz anderen Aufgaben.

Die Antwort war ganz einfach: Dies gehöre zum Programm der verstärkten Dezentralisierung und Stärkung der Kommunen, aber da es dieses Programm nicht mehr gibt, gibt es auch keine Planer mehr.

Derzeit steht Bildung als Hauptpunkt an, bzw. die Stärkung privater Wirtschaftsentwicklung. In den Universitäten Blantyre und Mzuzu wird gute Arbeit geleistet, und in der Verwaltung ist jetzt niemand da, der hilft, dieses umzusetzen: Die beinahe 300.000-EW-Stadt Mzuzu hat gerade einmal drei Planer

    Patrick ist jetzt bereits 30 Minuten überfällig, ich ärgere mich noch nicht

Alle drei großen Städte haben sehr gute neue Stadtentwicklungspläne von ausländischen Planungsbüros erstellen lassen, und die stehen jetzt im Schrank. Die Regierung darf aufgrund von Weltbankforderungen kein neues Personal einstellen (angeblich), weil kein Geld dafür vorhanden ist!

Wie gesagt, ein echt gutes Gespräch, nur mein Kugelschreiber-Wunsch konnte nicht erfüllt werden, ich hatte selbst noch viele Farbstifte – zur Weitergabe an Kinder – übergeben und mindestens 100 blaue und grüne Kugelschreiber, und dann noch – extra zur persönlichen Verwendung – unseren schönen städtischen Kugelschreiber aus Rottenburg. Das hat alles nichts genutzt, als Gegenleistung wollte ich den Kugelschreiber mit den schwarz-rot-goldenen Farben haben, oh das sei schwierig, war die erste Reaktion, dann nach Rückfrage bei einer Verwaltungsmitarbeiterin, das ginge ja überhaupt nicht, die seien nur intern für Malawi gedacht, dabei war ich doch gerade in Malawi!

Weil hier so viel über malawische Mentalitäten zu lesen ist, könnte man jetzt sicherlich sagen, das war jetzt echt „deutsch“, der Botschafter war im Urlaub und so konnte niemand diese so wichtige Frage selbst entscheiden, vermutlich gibt es da in den Ausführungsbestimmungen keinen Ausnahmetatbestand o.s.ä .

    Dann halt nicht: Aus den 15 Minuten sind jetzt bereits 45 geworden, bin immer noch gelassen

Jedenfalls hatte ich gestern Abend das Angebot angenommen, im Camp übernachten zu können, und habe heute früh dann um 6.00 Uhr entschieden, dass ich in Korean Garden die nächste Nacht verbringen werde. Frühstück gab es so früh noch nicht, ich hatte noch etwas Schokolade, habe ein Taxi bestellt, und bekam dann bei Peter Schramm einen frischen Kaffee. Von dort aus ging es dann zur Deutschen Botschaft und danach zur Korean Garden Lodge (die ist 20€ billiger als das von der SES gebuchte Kiboto Hotel, und hat zwei Steckdosen, und sogar zwei Spiegel).

    Patrick kommt, kaum zu glauben, und auch noch mit einem Fahrer!

Und so haben wir dann sein Klaus Guest House besichtigt, nicht schlecht für 20/25$, da kann man nichts sagen.

Abends dann gemeinsames Abendessen mit Renata und Loulou, Peter musste sich “flach legen”, und mit Cäcilia, GIZ-Lehrerausbildung: Somit waren die Themen auch schon abgesteckt, weshalb wir uns ja auch getroffen haben.

Aber jetzt ist Schluss