Malawi 2018-10 Improvisieren ist eine hohe Kunst

25.05.18 - Holger Keppel

 

Malawi 2018-10

Malawi Report 2018 Nr. 10

Improvisieren ….
…ist eine hohe Kunst , dies kann man hier bei Projekten in Malawi lernen, oder erstens kommt es anders , als zweitens dass man denkt … nach Plan ist eigentlich fast nichts gut gelaufen, weil eine „Störung“ nach der anderen kam, aber weil ja Störungen bekannterweise Vorrang haben, ist das jetzt nicht unbedingt negativ zu sehen.

So kamen neben drei männlichen Studenten auch neun weibliche Studenten hier an und fanden nur sieben Schlafplätze vor, und am Morgen danach gab es kein Frühstück, weil die Mensa geschlossen hatte, so wie auch in den folgenden Tagen des Öfteren, da fällt mir noch TiA ein = That‘s Africa.

Gestern früh stand dann die nächste Abeitsphase an, aber gegen 7.53 kam die Whatsapp-Nachricht, dass das Programm umgestellt werden müsste, weil in der Nacht ein Student tödlich verunglückt war. Nach dem ersten Schock konnte festgestellt werden, dass es keiner von „unseren“ war, der Campus stand still und es ging nichts mehr.

Im Wartestand vor unserem Meetingraum ist dann eine unserer Studentinnen umgekippt und musste in die Klinik gebracht werden, aber auch das konnte zwischenzeitlich geklärt werden. Der Grund war eine Unverträglichkeitsreaktion gegen ein Malariamittel. Es geht ihr wieder gut, dafür liegt nun eine andere mit Fieber im Bett usw.

Unter den Student*innen wurde zwischenzeitlich ein Preis ausgelobt: Wer die Zeit hier ohne Magen-Darm-Problem übersteht, bekommt eine Ritter-Sport-Schokolade: im Moment sind nur noch zwei Jungs im Rennen.

Zwischenzeitlich wurde unser Meeting-Raum aufgeschlossen und dort fand ich zu meine Freude meine rote Jacke wieder (abends wird es hier schon ziemlich kühl), und daneben fand ich meine Sprudelflasche – dachte ich: Ich war sehr durstig und habe einen kräftigen Schluck genommen: Wow, es war kein Sprudel, sondern das am Vortag im Slumgebiet erstandene „Bier“, ich hatte mich ja dort schon gewundert, dass dies gekocht wird: Es handelte sich um KACHASU, einen local GIN, der allerdings sehr gut schmeckt.

Und irgendwann um die Mittagzeit – als die Trauerfeierlichkeiten beendet waren – ging es dann weiter mit dem Dozentenaustausch über die unterschiedlichen Ausbildungssysteme, dabei konnte ich dann auch endlich meine Powerpointpräsentation über die deutsche Staatsstruktur und das Planungssystem „loswerden“.

Weiter wurde der Gegenbesuch der Malawier im Oktober in Deutschland besprochen, u.a. mit Besuch in Rottenburg und Empfang bei unsrem OB im Rathaus am 7.10. (Unser OB weiß noch nichts davon, aber vielleicht jetzt -)

Danach stiegen die Studenten in die weitere ANALYSE des zu untersuchenden Gebietes ein … Und die Tage vergehen so schnell, dass ich dies nicht mehr zusammenbringe: Die zeichnerischen Ergebnisse wurden dann in jeweilige Powerpointpräsentationen eingebracht, und gestern dann in Gegenwart von 10 Villagecommittee-Mitgliedern vorgestellt.

Rechtzeitig zum Start gab es dann einen Stromausfall an der Uni, und so begann die Vorstellung der Arbeiten anhand der Handskizzen, bis dann wieder Strom da war, usw. Aber irgendwann hat sich die Stromversorgung stabilisiert, und die Veranstaltung konnte zu einem guten Abschluss gebracht werden.

Am Abend dann die fare-well-party in Bernhards Lodge: Die war noch besser, mit einer Tanzgruppe und „meinem“ Song „the lake is so big, so big!“

Jetzt habe ich viel übersprungen (werde ich noch nachholen). Heute ging es zurück in die Hauptstadt Lilongwe (die Studenten und Profs fliegen morgen zurück, ich einen Tag später).

Die Rückreise war sehr anstrengend: Ich bin bereits um 6.00 Uhr aufgestanden, statt wie geplant um 8.00 ging es erst um 9.20 Uhr los, gegen 13.40 sind wir in Nkatahotta angekommen.

Dort hatten wir mit dem Phänomen des „doppelten Antons“ zu kämpfen: Das Essen war vorbestellt, die Location wurde nach etlichen Telefonate auch gefunden, es war allerdings nichts vorbereitet, und nach einigem Hin und Her stellte sich heraus, dass es noch eine zweite Anton-Lodge gibt. Man erklärte uns, dass die Essensvorbereitung zwei Stunden dauern würde, wir sollten doch lieber die 50 km zu der anderen Anton-Lodge (übrigens gleicher Besitzer) zurückfahren.

Nach weiteren Verhandlungen wurde dann entschieden, dass das Essen von der einen zu der anderen Lodge gebracht werden soll, was eine Stunde dauern würde. Nach zwei Stunden sind wir dann ohne Mittagessen weitergereist!

Aber dem nicht genug: Ich wollte in Lilongwe im Karls Guest House zwei Nächte verbringen. Das war laut Beschreibung im Internet sehr schön und mit einem Preis von 20 € auch sehr günstig. Die SES hatte für mich das Kibokohotel für 69$ gebucht. Das war das Hotel ohne Steckdosen.

Den Betreiber des Guesthouses (ein ehemaliger Kollege von der CCODE) hatte ich von unterwegs immer auf dem Laufenden gehalten, wann ich gerade wo war, damit er mich abholen könnte in dem Camp, in dem unsere Truppe nächtigen würde. Ich habe mich anständig kurz vor Neun bei den Kollegen und Student*innen sprachlich verabschiedet, aber niemand kam um mich abzuholen: Malawisch halt!

Und weil hier ein bereits bezahlter Schlafplatz frei war, bin ich jetzt hier gelandet/gestrandet, und weil die Bar bereits geschlossen hat, sitze ich jetzt hier mit einer Flasche Sprudel von einem netten Kollegen, so ist das halt …
Ich freue mich dann auch wieder auf zuhause!

HK 25.5.2018