Malawi 2018-9 DAAD-Studentenaustausch

21.05.18 - Holger Keppel

 

Malawi 2018-9

Malawi Report 2018 Nr. 9

DAAD-Studentenaustausch Nürtingen – Mzuzu

Ich sitze hier im Chitimka-Camp in L1, neben einem Ventilator, es gibt nur zwei Häuschen dieser Kategorie, mit Toilette und Dusche inside, sehr privilegiert. Ich hatte angeregt, dies nach dem Lebensalter zuzuteilen, und unser Chef Prof. Dr. Siegfried Gaß war sehr verständnisvoll, und so sitze ich jetzt hier.

Nach einem langen Anlauf (diesen studentischen Austausch hatte ich 2012 angeregt) hatte Siegfried dies aufgenommen, entsprechende Anträge gestellt, und 2013 hat der damalige Vice Chancellor der Mzuni (siehe Foto) das Dokument, das ich vom Rektor der Hochschule Nürtingen dabei hatte, gegengezeichnet: Leider kam dann keine Genehmigung vom DAAD.

Aber Planer zeichnen sich ja durch eine gewisse Hartnäckigkeit aus: Und so kam das Programm (bis 2021) jetzt doch noch zustande.

Chapeau an Siegfried Gaß, da steckt viel bürokratische Arbeit dahinter, die keiner sieht!

Drei Prof’s, Siegfried Gaß, Alfred Ruther-Mehlis, und Hennig Krug kamen zu später Stunde am 16. Mai mit 12 Studenten (9 girls, 3 boys) bei mir an der Pine Tree Lodge in Mzuzu endlich an, wo ich schon ewig im Wartestand harrte. Ich hatte zwar schon gegessen, aber dann ging es weiter zu Bernhards Soul Kitchen zum Abendessen. Also die Zeiten, in denen ich ab 18.00 allein in meiner Bude war und Zeit hatte, sind vorbei: Hier wird es immer spät und später. Ist aber schön so.

Das ist eine nette studentische Gruppe aus Stadtplanern (vom 2. Semester) bis Landschaftsplanern (4.Semester) und Masterstudenten.
Die malawischen Studenten etwa hälftig weiblich/männlich sind Masterstudenten, sehr motiviert, und wohl diszipliniert.

Am ersten Tag gab es ganztägig Vorträge der malawischen Studenten über das malawische Planungssystem. Am zweiten Tag waren wir in zwei „informal settlements“ (slums, über beides mehr demnächst, denn das verdient einen extra Beitrag, schon allein wegen die vielen Fotos!).

Über das Pfingstwochenende machten wir gerade einen gemeinsamen Ausflug in den Norden, Vwasa Park, Lake Malawi, Chilumba. Der fing aber sehr holprig an, die malawischen Studenten sind nicht gekommen, angeblich durften sie den Uni-Campus nicht ohne Genehmigung verlassen. Aber der große Meister Mtafu Manda (dieses Mal nicht als URAC sondern als Senior Lecturer und heimlicher Herrscher des Land Departments) griff zum Telefon, und damit hat es dann geklappt:

Gegen 10.00 Uhr waren wir in Rumphi und haben dort eine kleine Einkaufspause eingelegt (auch zur Entlastung zunehmender Magen-Darm-Probleme einiger Mädels). Ein Einheimischer führt uns dann zu einer öffentlicher Toilette, den Eintrittspreis dort konnte ich dann pro Person von 100 KW auf 50 KW herunterhandeln (als Umrechnungshilfe: 1 € derzeit = 900 KW (siehe Foto).

Um 12.00 trafen wir im Vwash Park ein, die Malawier hatten uns zwischenzeitlich eingeholt. Das „Caro-Problem“ bleibt jetzt unter uns, wurde aber auch bewältigt (es geht ihr wieder gut).

Da nicht sicher war, was wir an Tieren dort antreffen würden (insbesondere Elefanten), haben wir vom Orga-Team zwei kleine Abenteuer eingebaut: Zuerst einen Motorschaden und später das Steckenbleiben des Busses in einer Mulde. Da ich dies fotografieren musste, konnte ich leider nicht beim Anschieben helfen (dito zwei Stunden später bei Bernhards Wagen).

Jedenfalls, um 13.45 Uhr wurde die erste Elefantenherde gesichtet, und alle waren happy! Dann gab es natürlich noch viele Hippos, Antilopen, Warzenschweine, etc.

Und – fast rechtzeitig zum Sundowner – sind wir dann hier im Chitimba Camp eingetroffen und haben einen netten Abend verbracht, mit vielen Fachgesprächen zwischen den malawischen und deutschen Hochschullehren.

Und die Studenten haben sich untereinander auch sehr gut verstanden.
Ob dies allerdings tatsächlich so ist, weiß ich noch nicht sicher: In der Praxis blieben die malawischen Studenten in „ihrem“ Bus, dito die Deutschen, obwohl wir Dozenten eine „Durchmischung“ wollten. Beim Besuch der Tawukaschule setzten sich die Malawier gemeinsam auf die eine Seite und die Deutschen auf die andere Seite, irgendwie wie „selbstverständlich“(?).

Wie man den Fotos entnehmen kann, sind die malawischen Studenteninnen immer sehr „ aufgebrezelt“, also richtig schick, siehe z.B. die Muslima mit den schönen „Kopftüchern“: Jeden Tag ein anderes, auf meine Frage, wie viele sie davon hätte, erklärte sie mir: „zwanzig“! Für morgen hat sie mir ein grünes Kopftuch versprochen.

Hierzu muss man wissen, dass die Student*innen hier alle zumindest aus der Mittel- bis Oberschicht stammen, und das sieht man auch, Bildung kostet hier Geld, Geld, Geld …

Schnitt … Einschub

Ehrlich, ich habe mich schon oft gefragt, warum ich mir die Lehrtätigkeit in Nürtingen – im Ruhestand – noch antue, dies insbesondere im Wintersemester, morgens früh eine Stunde hin und nach zwei/drei Stunden wieder zurück, dann die terminliche Fixierung, die sonstige private Planungen als Pensionär schon einschränkt, ABER es macht Spaß, mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten, und ich sehe meinen Part insbesondere darin, die Planer-Arbeit aus der PRAXIS zu vermitteln.

Heute am Pfingstsonntag ging es dann für drei Stunden nach Chilumba, zuerst zur Tawukaschule mit Besichtigung und Rundgang, und vor allem mit der Übergabe von STIFTE STIFTEN-Materialien, die die Student*innen freundlicherweise in ihrem Gepäck mitgenommen hatten. Dann wurde ein Brunnen besucht und eine Eco San Toilette, und dann ging es wieder zurück ins Camp.

Nach dem studentischen Einkauf von malawischen Souvenirs ging es dann gegen 15.00 Uhr zurück nach Mzuzu, mit einer weiteren Einkaufspause für das Abendessen der Studenten in Ekwendeni. Wir kamen dann in der Dunkelheit kurz vor 19.00 wieder an der Uni an.

Nach und beim Abendessen haben wir dann die weitere Hochschultätigkeit für die nächsten drei Tage diskutiert: Das war richtig gut UND hat Spaß gemacht!
Zum Nachtisch habe ich hier doch tatsächlich ein Eis gegessen, das gibt es hier eher selten.

So langsam komme ich hier doch tatsächlich wieder zu meinem Nachteulen-Leben zurück, die Kollegen scheinen auch solche Tendenzen zu haben. Insofern passt das, allerdings waren die schon sehr früh am und im See, ich dagegen erst so kurz nach 7.00 Uhr! Das war eigentlich unglaublich für mich: Zumindest bis zum Knie war auch ich im See und habe die malawischen Studenten fotografiert, die sich dort im Wasser erfreut haben, aber alle nicht schwimmen konnten!