Malawi 2018-8 Halbzeit in Malawi

19.05.18 - Holger Keppel

 

Malawi 2018-8

Malawi Report 2018 Nr. 8
Halbzeit in Malawi … auf nach Mzuzu

SES- Auftrag bei URAC

Der SES- Einsatz ist nunmehr beendet mit einem zweitägigen Nachschlag, dann noch in Lilongwe in 14 Tagen. Zwischenzeitlich bin ich in Mzuzu zu einer neuen Tätigkeit im Rahmen meiner Lehre in Nürtingen unterwegs.

Die SES- Auftragsarbeiten konnten mit gewissen Schwierigkeiten erledigt werden, die Supervision der URAC-Projekte war erfolgreich, die Schulung der Mitarbeiter eher bescheiden. Precious konnte ich zumindest mit mitgebrachten Unterlagen (u.a einem SanManual vom Difaem über „sanitation und hygiene“) und am Computer einiges vermitteln, sie war unglaublich motiviert und aufnahmebereit, die Unterlagen habe ich Ihr dann geschenkt.

Dem Buchhalter von URAC beizubringen, wie man eine ordentliche Abrechnung für das Brunnen- und Kloprojekt macht, die auch ein städtischer Rechnungsprüfer akzeptiert, war schon sehr schwierig und holprig. Ich habe versucht, ihn zu motivieren mit dem Hinweis, dass, wenn die deutsche Bürokratie eine ordentliche Abrechnung bekommt, die Chance für weitere Zuschüsse steigt. Dies habe ich auch Mtafu Manda mehrmals gesagt.

Jedenfalls bekam ich heute (wir waren mit den Studenten im Bus unterwegs) eine Nachricht über WhatsApp: „Hi, I am Japhet, accountant from URAC, wann können wir uns treffen?“. Da habe ich doch gleich vorgeschlagen: „Heute, nach unserer geplanten Rückkehr 4pm an der Uni“. Er war pünktlich da! Und seine Abrechnung war perfekt, genau wie ich es versucht hatte, ihm beizubringen. Da muss ich ihm jetzt Abbitte tun, habe ihn auch sehr gelobt.

Aufgrund des veränderten Wechselkurses seit der Kalkulation im Mai letzten Jahres und einer Spende der SWR können wir jetzt noch einen weiteren Brunnen bauen.

Tawuka

„But I try my best“, sagte my young lady Precious nach dem wiederum gescheiterten vierten Versuch, mir – trotz genauer Angaben meinerseits – ein weich gekochtes Ei zu servieren. Stattdessen bekam ich dann gleich drei hart gekochte Eier.

Ja, sie hat ihren Job, mich hier zu betreuen, sehr aufmerksam gemacht. Gestern kam sie vertrauensvoll zu mir mit der Bemerkung, dass sie vielleicht jetzt einen Fehler machen könnte, wenn Sie mir verraten würde, dass der Construktor (Brunnenbauer) hier gewesen sei und sie über mich ausgefragt habe, weil Mr. Manda die Rechnung noch nicht bezahlt hätte, und ob ich – als Sponsor – nicht direkt zahlen könnte.

Sie hat bestens reagiert: Ich vermute, Manda zahlt erst, wenn die beiden Nachbohrungen auf Kosten der Firma erfolgt sind, richtig so!

Tawuka war ein Erfolg, wenngleich dies eher Rüdgers Part war: Er arbeitet jetzt noch das Bonussystem aus, mit dem der Verein die Lehrer unterstützen möchte. Unsere Zusammenarbeit war nicht nur persönlich sehr angenehm, sondern im Ergebnis auch sehr effektiv! Rüdiger war hierfür einfach die Idealbesetzung!

Auf meine Umfrage an die Vereinsmitglieder (überwiegend Lehrer/innen) zu diesem Thema kamen gerade einmal drei Antworten: Dies nur als wertfreie Feststellung.

Durch die räumliche Nähe meiner Behausung zur Schule (10 Minuten Fußweg), gab es neben offiziellen Besprechungen mit der Schulleitung und den Lehrern auch sehr viele private vertiefende Gespräche.

Gestern war das Abschiedsfest für uns, verlief sehr schön: Zuerst mit einem Gebet, dann mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Aufführungen. In einem Lied kam ich vor: Ein Ehepaar – Ehefrau sichtlich schwanger – hatte irgendwelche Probleme, die dann wohl gelöst werden sollten, indem das Baby Dr. Hoga heißen soll.

Und dergleichen mehr: Auch mutige Beiträge, z.B. über die „hohen“ Schulgebühren … Ich war richtig glücklich, dass ich zum Abschied „nur“ einen Elefanten – allerdings sehr groß – geschenkt bekam, und zwar glücklich deshalb, weil ich beim letzten Mal rd. 20 kg Reis geschenkt bekam und Isolde ein lebendes Huhn. Zum Schluss erklang dann noch die Nationalhymne (stelle ich in Facebook ein, habe alledings gerade kein Internet).

Abends waren wir dann bei Felix und seiner Frau Monica zum Essen eingeladen: Das war richtig nett, aber dann kam er aus dem Nebenzimmer mit einem riesigen Sack Reis, den er auf dem Boden hinter sich herzog: Da war keine Chance, dies Geschenk abzulehnen!

Heute Morgen ist er mit einer leeren Bücherkiste gekommen und meinte, damit könnte ich den Reis besser transportieren. So nebenbei hat er dann noch gefragt, ob ich die Benzinkosten für die Fahrt nach Mzuzu übernehmen könnte.

Einige unerfreuliche finanzielle Dinge auf der Fahrt nach Mzuzu: Übernahme einer Strafgebühr, weil das Fahrzeug keinen Versicherungsschutz mehr hatte, Beteiligung an einem Getriebeschaden: Das alles im Nachhinein, über den armen Fahrer vermittelt. Das lasse ich jetzt einfach weg, geistig bin ich schon lange weg von Tawuka.

HK, leicht verspätet, am 18.5.2018