Malawi 2018-7 Nyika National Park

14.05.18 - Holger Keppel

 

Malawi 2018-7

Malawi Report 2018 Nr. 7
Nyika National Park, schön war’s trotz etlicher Widrigkeiten

Malawi Report 2018 Nr. 7
Nyika National Park, schön war’s trotz etlicher Widrigkeiten

Irgendwie dachte ich bei der Anreise (7.30 Uhr ab Chilumba, Ankunft erst um 19.00 Uhr), dass wir bei unseren wenigen Freizeitaktivitäten nur Pech hätten, Livingstonia ist bei der Anreise schon gescheitert und jetzt evt. auch der NYIKA Park.

Dabei war alles sehr gut vorbereitet: Dieses Mal mit Fahrzeugwechsel vom kleinen PKW in einen Landrover am Eingang zum National Park, nur: Da war keiner, und die Lady (in grüner Uniform) meinte, das ginge schon mit diesem Wagen, der Driver müsste nur „carefully“ fahren.

Na denn, die Anfahrt zum Park über sehr schlechte Straßen war schon sehr anstrengend. Zuvor hatten wir noch in Rumphi Halt gemacht, um einen Kaffee zu trinken. Es gab aber keinen wg. Stromausfall, dann haben wir halt Mützen gekauft und ich habe mich mit einem kleinen Jungen angefreundet. Auf der Rückreise haben wir dort wieder Halt gemacht, der kleine Junge hat mich wieder erkannt, sich einen Stuhl geholt und sich zu uns gesetzt.

Ja, es ging, und wie! Einmal mussten wir die Straßenfurchen mit einer kleinen selbst gebastelten Brücke – dem Ingenör ist ja nix zu schwör – überwinden, ein anderes Mal große Steine sammeln um Löcher aufzufüllen – zwischenzeitlich standen wir auch im Regen, und so ging das weiter.

Zuvor hatte es dort heftig geregnet und die Straßengräben waren übervoll und überspülten die Straße, der Wagen schlitterte nur über das Gematsche: Ehrlich gesagt, ich hatte schon ziemlich die Nase voll.

Aber es sah dann doch so aus, als würden wir zum Sundowner in der Lodge ankommen, denkste: Zwei Kilometer davor ging’s durch einen kleinen Wald, dort blieben wir im Schlamm stecken, es ging nichts mehr.

Da stehst du dann im – zwischenzeitlich dunklen – Wald und frierst in Afrika auf ca. 2000m Höhe. Wir sind dann umgekehrt, zurück zur Rezeption.

Die hatten dort unten dann auch sehr schöne Zimmer, der Kamin wurde extra für uns angeheizt, und im Restaurant haben wir dann bei offenen Kamin sehr gut zu Abend gegessen und uns mit den neuen Verwaltern Kelly (aus Kalifornien) und Mark (aus Südafrika) unterhalten.

Die Stimmung stieg, zumal wir vorher im Abendlicht die ersten Zebras sehen konnten, in Suaheli heißen die Zebras „Esel mit weißen Streifen“. Interessant ist auch, dass sie von weitem grau wirken.

Wir wurden dann noch ermahnt, die Fenster geschlossen zu halten, weil nachts Leoparden hier herumschleichen.

Der Nyika National Parc ich der erste (seit 1965) Nationalpark Malawis mit einer Ausdehnung von ca. 3200 qkm und einer Höhenlage von 1800 bis 2600m. Der Name bedeutet: „Woher das Wasser kommt“, in der Tat: Der Malawisee speist sich zu 30% aus diesem Hochplateau.

Der Nyika gehört zu den touristischen Highlights von Malawi, zählt 200 Orchideenarten und 400 Vogelarten und hat: „…one of the highest densities of Leopards in Central Africa…“.

Seit zwei Jahren gibt es auch eine Elefantenherde (35), die allerdings derzeit noch in einem eigenen eingezäunten Gelände lebt, um sich dort erst einzugewöhnen. Die Herde wurde aus dem Süden hierher umgesiedelt.

An nächsten Tag, ging es dann von 9.00 bis 12.00 Uhr mit einem Landrover los, zuerst hoch in die Lodge (eine sehr schöne Anlage), danach kreuz und quer durch den Park bis zum zweithöchsten Punkt (2400 m). Mittlerweile konnte man auch die Jacke wieder ausziehen, es wurde sehr warm.

Danach ging es dann zum „Heiligen See“, das Wasser hilft für und gegen alle Krankheiten, und da habe ich doch gleich meine operierte Hand hineingelegt, und es ist doch tatsächlich schon deutlich besser geworden.

Die Menschen hier holen sich das Wasser in Eimern und besprühen damit ihre Maiskörner. Die größte Heilwirkung wird allerdings erst erzielt, wenn man ein weißes Huhn opfert und in den See wirft. Dann kommt eine Schlange, und die muss man am Schwanz fangen, heißt es … Leider hatte ich kein Huhn zu Hand.

Weiter ging es vorbei an unzähligen Antilopenarten, Zebras etc.
Ehrlich gesagt, im Vergleich zu den berühmten Nationalparks in Afrika ist die Tierausbeute relativ bescheiden, aber die Landschaft ist grandios und berauschend: Nur schön!

Am Nachmittag war dann eigentlich in den Abend hinein mit einem Sundowner eine weitere Tour geplant, aber es regnete und wurde sehr kalt, weshalb wir darauf verzichtet haben, stattdessen blieben wir in der Lodge und hatten nette Begegnungen mit weiteren Gästen.

Während ich mit einem jungen amerikanischen Paar sprach, hörte ich Rüdiger in der Rezeption deutsch reden: Es waren zwei Paare aus Namibia eingetroffen, und weil die Welt ja so klein ist, hat sich herausgestellt, dass Rüdiger deren Kinder vor ca. 20 Jahren in Namibia an der dortigen deutschen Schule unterrichtet hatte. Es waren Camper auf „SKI-Reise“ (= spend kids inheritage) durch Afrika.

Am Ende sind wir dann unter einer Solarlampe bei dem amerikanischen Paar beim Kniffl-Spiel hängen geblieben. Strom gibt es hier nur zwischen 17.00 und 21.00 Uhr. Schön war’s.

Am nächsten Morgen (Staatsfeiertag hier) ging es dann 60km zurück von der Lodge bis zum Parkeingang in nur drei Stunden, die o.g. „Brücke“ musste nochmals neu verlegt werden, aber sonst ging es so mit Ach und Krach, was durchaus wörtlich zu nehmen ist.

Ganz vergessen hatte ich zu sagen, dass schon bei der Anfahrt „irgendeine Getriebeaufhängung“ zu Bruch gegangen war, aber unser Fahrer JOHA (er holt Rüdiger jeden Morgen um 7.00 Uhr ab und bringt ihn die Schule) ist kaum aus der Ruhe zu bringen und meinte, das ginge schon gut.

JOHA ist ein Verwandter von unserem Schuldirektor und hat am Technical College in Livingstonia vier Jahre Automechanik studiert und hat mittlerweile ein kleine Werkstadt mit zwei Angestellten.

Nach weiteren zwei Stunden Fahrt waren wir wieder in Rumphi bei einer Autowerkstatt, um dieses Alu-Teil zu finden, das es aber nicht gab.

Nach dem Mittagessen auf dem Endspurt zurück nach Chilumba machte dann das linke Vorderrad schlapp, und zwar in der Nähe der von Japanern gebauten Brücke.

Reifenwechsel erfolgte in 20 Minuten: hinterer Reifen nach vorne und hinten ein Ersatzrad. Währemd ich da so zuschauend herumstehe. hält ein Wagen neben mir und ich höre: „ …den kenne ich doch …“ . Das war Bernhard Schwarz auf dem Rückweg von Karonga nach Mzuzu, seine – völlig überflüssigen – schwäbischen Bemerkungen („wie man mit so einem Auto, usw“) lasse ich jetzt weg.

JOHA erklärte dann lachend noch, dieses Ersatzrad hätte den Nickname „Take me home“: Mensch, war das lustig!

Weiter ging es bis uns dann jemand anhielt und uns darauf hinwies, dass unser hinteres Ersatzrad zu wenig Luft hätte. Na prima! Und so fuhren wir dann mit 20km-Tempo den Berg hoch und dann runter an den See.

Zwischendurch hat mir JOHA erklärt, dass es hier oben in den Bergen keine Fahrräder gäbe, das sei viel zu steil und deshalb gäbe es hier auch keine Luftpumpen. Das fand ich dann doch fast lustig und auch sehr aufbauend.

Unten am See angekommen – es war bereits dunkel – gab es dann „eine Luftpumpe“ mit Kompressor! Und dann ging es los!

Ist allerdings sehr gefährlich, hier bei Nacht zu fahren: Fahrräder ohne Licht, Fußgänger (die „Geschäfte“ hier haben bis 21.00 Uhr geöffnet) sorgen für heftigen Betrieb auf der Straße, es gibt Schlaglöcher, denen man plötzlich überraschend ausweichen muss.

Deshalb darf man als SES-ler auch kein Auto fahren. Die SES hat da ganz strenge Regeln: „No driving, no drinking, no dating“. Die ersten beiden Punkte verstehe ich ja noch, aber „no dating“, wo ich doch hier ständig „dates“ habe!

Irgendwann sind wir dann doch noch hier angekommen, und vor der Haustüre wurde JOHA plötzlich „sentimental“ und erklärte mir:
„Dear Dr. Hooga, I am so happy, aus meinem tiefsten Herzen bin Dir so dankbar, dass ich mit in den Nyika Park durfte, davon habe ich schon mein ganzes Leben geträumt“: Ein schöner Abschluss!

Precious (die young lady) hat sich auch sehr gefreut, dass ich wieder heil angekommen bin und wollte mir Spaghetti machen. Ich war aber mit einem Toastbrot mit Butter und Tomate zufrieden, und – weil es kein Toastbrot gab – eilte sie davon in die Dunkelheit und kaufte eins. Ich bin richtig erschrocken, bis ich dann feststellte, dass JOHA sie gefahren und auch wieder zurückgebracht hat.

Als sie die Bilder von Nyika gesehen hat, erzählt sie auch von ihrem Traum, dort einmal hochzukommen …

Mein Traum hat sich nach acht Einsätzen in Malawi seit 2012 heute erfüllt!