Malawi 2018-6 Besuch beim Bischof

9.05.18 - Holger Keppel

 

Malawi 2018-6

Malawi Report 2018 Nr. 6
Besuch beim Bischof Martin in Karonga

In Zuschussfragen hatte ich Ende 2017 einen angenehmen Termin bei der Hauptabteilung WELTKIRCHE beim BO Rottenburg mit einer sehr kompetenten Mitarbeiterin, die sich gut mit den Verhältnissen in Malawi auskannte: Geld gab es aber leider keines.

Was es aber gab: Die Vermittlung von Kontakten zu den Bischöfen von Karonga und Mzuzu. Die Kontaktaufnahme erfolgte sehr schnell: Von Bischof Martin bekam ich noch am selbigen Tag eine Antwort, es entstand ein reger Mailverkehr, womit ich insbesondere auf die Möglichkeiten des Senior Experten Service Bonn in den Bereichen Finanzen, Administration und Landwirtschaft hingewiesen habe. Per Mail-Kopien habe ich mitbekommen, dass Bischof Martin diese Hinweise an seine Mitarbeiter weitergegeben hat. So nebenbei habe ich auch erfahren, dass er die Kaffeefarm von Bernhard Schwarz aufgekauft hat.

Der Bischof von Mzuzu, ein Ire namens Ryan, hat eine Tankstelle gebaut und wollte mich jetzt auch sprechen. Ich habe unseren Direktor Felix (ein engagierter Katholik) gebeten, einen Gesprächstermin mit dem Bischof zu verabreden. Der erste Termin passte allerdings nicht, weil zu diesem Zeitpunkt die Brunnenübergabe anstand. Meine Absage hat der Felix nicht richtig verstanden.

Nach dem Großereignissen Health Workshop und Brunnenübergabe wollte ich mich eigentlich am folgenden Tag etwas ausruhen: Denkste!
Um 7.30 – für mich also mitten in der Nacht – klingelt das Handy: Rüdiger ruft an, um mich vorzuwarnen, dass der Felix gleich vor der Tür stehen würde, um mir mitzuteilen, dass der Bischof mich um 9.00 Uhr in Karonga sehen möchte.

Obwohl ich an diesem Morgen ausnahmsweise schon um 5.00 morgens wach war, weigerte mich aufzustehen: Aber hallo, wer bin ich denn?
Ich bin dann aber trotzdem aus dem Bett und in das sog. Bad gestiegen:

Felix kam tatsächlich sofort, ich hatte eigentlich bereits das Frühstück herunter geschlungen und wäre fast abreisefähig gewesen, habe dem Felix aber erklärt, wir machen dies nach malawischer Termintreue, so eilig sei dies nun auch wieder nicht, Felix meinte, das ginge nicht, denn der Bischof sei wie ich: always busy….

Dann ging’s also hoch in den Norden nach Karonga, dort angekommen, wurden wir von einem Büro ins andere weitergereicht, bis wir dann endlich im Büro des Bischofs angekommen sind. Ich habe ihm nochmals die Möglichkeiten der SES-Bonn erläutert, er hat dann Bedarf angemeldet, weil er zwischenzeitlich rd. 600 ha landwirtschaftliche Flächen aufgekauft hätte … und so weiter und sofort. Er war nett, ein sehr angenehmer Mensch, nach einer Stunde fiel ihm dann plötzlich ein, dass er ja auch bereits einen SES-Experten in seinem Office hätte!

Nach dem Eintrag in sein Gästebuch, der Überreichung einer Rottenburg-Broschüre plus Rottenburg-Kugelschreiber und einem Paket Schulmaterialien von „Stifte-Stiften“ hat er uns dann zu dem SES-Kollegen bringen lassen, der dort in einem Kämmerlein die Buchhaltung in Ordnung bringt und einen Business-Plan für die vielfältigen Aktivitäten erstellt.

Dabei fand ich – aufgrund anderer Erfahrungen in Malawi – es schon sehr beachtlich, dass er sich in seine Bücher schauen liess. Am meisten hat ihn allerdings unser „Village Clinic“-Projekt interessiert: Eine Konkurrenz zu seiner St. Anna-Klinik in Chilumba?

Nein, nicht wirklich! Information über unsere Aktivitäten scheinen sich hier sehr schnell zu verbreiten (ich glaube das nennt man Buschfeuer): Obwohl ihn keiner kennt, scheint Dr. Hooga irgendwie bekannt zu sein.

Nach einem interessanten Fachgespräch mit dem dortigen SES-Kollegen haben wir dann noch die Domkirche besucht: Da würde unser Rottenburger Bischof vor Neid erblassen, dachte ich mir, aber nach der katholischen Glaubenslehre geht das ja nicht, denn NEID ist eine der fünf (?) Hauptsünden, deshalb würde er sich wohl eher freuen.

Wenn wir schon in Karonga sind, dann wollten wir doch kurz das dortige Museum besuchen, ehe wir wieder nach Hause fahren. In der Schule waren zwischenzeitlich die vom Verein bzw. von Spendern gesponserten ersten 10 Ziegen eingetroffen.

Mit den Tagen bin ich jetzt irgendwie etwas durcheinander: Ich glaube, gestern kam Renata K. Schramm auf der Rückreise eines WELTHUNGERHILFE-Termins im Norden zurück, und wir waren gemeinsam zum Essen in der Sanglino Lodge am See, die Lieblingslodge meiner Gattin, wo wir vor zwei Jahren eine grüne Mamba unterm Bett hatten!

Heute Vormittag nun hatten wir einen Termin mit der Schulleitung, vertreten durch Direktor, Headmaster, und Deputy Master. Thema war die weitere Entwicklung der Schule, insbesondere mit Blick auf die Lehrerunterstützung und Schülerförderung: Das Gespräch verlief sehr gut und konstruktiv …

Am Nachmittag war eigentlich nur ein kurzer Besuch in der hiesigen Klink (Health Centre) vorgesehen, der sich dann allerdings drei Stunden hinzog, so dass es anschließend gerade noch zu einem „Sundowner“ im Marinehafen von Chilumba reichte: Mit einem großartigen Regenbogen! Das wäre einen eigenen Bericht wert!