Malawi 2018–5 Brunnen- und Toiletten-Projekt

8.05.18 - Holger Keppel

 

Malawi 2018-5

Malawi Einsatz 2018 Nr.5
Brunnen- und Toiletten-Projekt

Wussten Sie eigentlich, dass weltweit über 800 Millionen Menschen ohne einen direkten Zugang zu sauberem Wasser sind? Und jetzt sind es etwa 5000 weniger! Das ist ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein, oder?

Wasser ist Leben und deshalb ist es nicht verwunderlich (wenngleich etwas peinlich), wenn eine alte Frau vor mir niederkniet, sich bedankt und erklärt, sie hätte jetzt zum ersten Mal in ihrem Leben sauberes Wasser. Die Menschen hier waren überglücklich und haben Tänze vorgeführt.

Aber es gibt z.B. – nicht nur in Malawi – viele Vereine, die an vielen Orten viele solche Bausteine liefern, die das direkte Lebensumfeld dieser armen Menschen verbessern. Wenn diese Vereine von den staatlichen Stellen besser und vor allem unbürokratischer unterstützt würden (ein sehr gutes Beispiel ist das Bürgergeld der Stadt Rottenburg mit 15.000€ für das Brunnenprojekt), könnte noch sehr viel mehr erreicht werden.

Wenn man z.B. von Engagement Global (gehört zum BMZ, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit) einen Zuschuss haben möchte, muss man erst einmal ein Seminar bei denen besuchen, um zu verstehen, wie die Formulare auszufüllen sind! Diese Bürokratie ist nur unerfreulich!

Und wenn ich die Kritik laut äußere und in einen größeren Verteiler gebe, kommt keinerlei Reaktion, nicht einmal eine Gegenrede.

Vor zwei Jahren hat eine Gruppe von ca. 10 MdB’s Malawi besucht, ich bin mit denen in Kontakt getreten und habe alle angeschrieben, lediglich eine hat geantwortet: Das nennt man dann ‘sein Wahlvolk ernst nehmen’.

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um die Kraft für den Alltag. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte … (frei nach Antoine de St. Exupérie: … viele kleine Schritte … )

Ja, es war ein schöner und ein erfolgreicher Tag, alle sechs Brunnen sind termingerecht fertig, da haben wir mit unserer NGO URAC und Mr. Mtafu Manda einen guten Griff getan, die Brunnen wurden zwischenzeitlich auch vom Water Department abgenommen, sowie Wasserproben getestet.

Leider geben zwei Brunnen zu wenig Wasser (vermutlich wegen zu geringer Bohrtiefe, nur 40m), deshalb muss das Unternehmen zwei neue Brunnen auf ihre Kosten neu bohren, dies schmälert aber den Erfolg nicht. Projektumfang ca. 30 – 33.000€, je nach Währungsstand.

In jedem Dorf wurde ein ‘water committee’ gegründet mit Vorstand etc. und dessen Mitglieder besonders geschult: Diese sammeln monatlich einen kleinen Beitrag ein, der zurückgelegt wird für Reparaturen und Unterhaltung!

Das Schwierigste bei diesen Einweihungsfeierlichkeiten war, die Logos unserer Spender unterzubringen: Ich hatte die Idee, dass bei jedem Brunnen so ein Logo aufgestellt wird (als Dankeschön für den Spender), aber die Praxis war dagegen, zu viele Menschen um die Brunnen herum (?), und dann fehlte mal wieder – wie üblich – das Befestigungsmaterial (siehe hierzu die z.T. lustigen Fotos).

Und so ging es den ganzen heißen Nachmittag durch das weitläufige Gelände in vier Autos mit rund 20 Offiziellen in sechs Dörfer, von einem Brunnen zum anderen. An zwei Brunnen wurden kleine Tänze vorgeführt und Lieder gesungen (Ich werde zwei kleine Videos bei Facebook einstellen).
Auf dem letzten Brunnen ist eine Dame (in blauen Kleid) zu sehen: Ein weiblicher Chief und gleichzeitig Chef aller fünf weiteren männlichen Chiefs der umliegenden Dörfer.

Deren offiziellen DANK an die Stadt Rottenburg und alle Spender darf ich hiermit weitergebeben. Am Ende gab es dann noch das obligatorische gemeinsame Gebet.

Das Toilettenbauprojekt „25 Eco-San-Toiletten für 25 Familien“ läuft eher etwas schleppend an, zwei von vier neuen Toiletten haben wir besucht. Der Grund dafür: Die Menschen hier im Norden kennen dieses System noch nicht und wollten lieber sog. ‘Pit-Latrinen’, also Plumpsklos, bauen, weil diese billiger sind: Wenn eines voll ist, wird daneben ein neues gebaut, ein Fortschritt gegenüber dem Verrichten der Notdurft am Ackerrand oder im Busch, aber sanitärmäßig kein Fortschritt.

Eventuell waren 250€ auch zu viel, um dies zurückzahlen zu können. Deshalb haben wir die Modalitäten geändert: Die Hälfte ist nun ein verlorener Zuschuss, durch den Währungsverfall seit der Kalkulation dieses Projektes vor exakt einem Jahr müssen die Familien jetzt nur noch ca. 100€ in einen Fond einzahlen, aus dem dann neue Toiletten finanziert werden.

Wenn ich nächstes Jahr wiederkomme, haben alle Familien ein solches Klo, wurde mir erklärt, warum? Der Durchbruch ist jetzt gelungen: Nachdem die ersten neuen Klos mit angebauter Dusche und einem Handwaschbecken außen besichtigt werden können, sind die Menschen begeistert und besonders erstaunt, dass es nicht stinkt! Der erste Klobauer hat seine Toilette auch noch gleich verputzt und die zweite Eigentümern das Häuschen auch noch gelb angestrichen (auf den Fotos sieht man daneben das bisherige Klo!) Derzeit gibt es anscheinend keine verfügbaren Ziegelsteine, die erst wieder im August bereitstünden, und dann geht es los.

Auch dies ist ein wichtiges Sanitation- and Hygiene-Projekt! Dieses Projekt (rd. 13.000€) wird finanziert durch 35 kleine und große Spenden, auch hier nochmals ein herzliches DANKESCHÖN, den ersten Bildern können Sie entnehmen, dass Ihre Spende gut angelegt ist.

Beim Energiepatenschaftsprogramm, das am Rande noch erwähnt werden soll, wurden zwischenzeitlich 52 Familien bedient, z.T. gibt es Materialschwierigkeiten, die gerade bereinigt werden.

Zusammenfassend: Sehr zufriedenstellend und äußerst erfreulich !!