Malawi 2018–4 Health Workshop

8.05.18 - Holger Keppel

 

Malawi 2018-4

Malawi Report 2018 Nr. 4
Health Workshop am 8.5.2018 in Chilumba

Heute nun war nunmehr der Health Workshop mit rd. 20 Beteiligten angesagt, hier sollte die Notwendigkeit und die Realsierung von kleinen „Village Clinics“ diskutiert werden. Die Organisation hier hatte die URAC mit unserem Mtafu Manda und seinem Team. Eingeladen waren die sechs Chiefs, die Healthofficers des Distrikts und Vertreter der Village Development Commitee, sowie ein Vertreter der örtlichen Districtclinic.

Zur Erinnerung siehe unseren letzten Newsletter: Das Besondere dieses kleinen Gesundheitsstützpunktes (in Anlehnung an ein erfolgreich praktiziertes Model von DIFAEM, Tübingen) in Malawi ist: Neben zwei Behandlungsräumen befindet sich das Wohnhaus des „Gesundheitshelfers“, der rund um die Uhr zur Verfügung steht, für einen Einzugsbereich von ca. 1000 Personen, vorwiegend für Frauen und Kinder unter fünf Jahren (manchmal auch under-five-clinic genannt). Dieser Gesundheitshelfer (Health Assistance) mit einfacher medizinischer Ausbildung hat einen Medizinkoffer mit den fünf wichtigsten Medikamenten für die Erstversorgung (gegen Malaria, HIV, Durchfall etc.).

Mit der üblichen malawischen Termintreue ging es dann 40 Minuten verspätet los, zuerst mit einem Gebet, dann unseren Einführungen, meine erstmals teilweise in der Landessprache!

Dann wurden zwei Gruppen gebildet: Die eine sollte max. 10 Punkte zum Thema „Probleme“, die andere 10 Punkte zum Thema „Ziele und Visionen“ benennen. Gruppenintern sollten Prioritäten für die Themen vergeben werden: Die Diskussionen waren sehr lebhaft und intensiv, danach Ergebnisdarstellung in der Gesamtgruppe und gemeinsame Diskussion und Prioritätenbildung.

Die Probleme und Ziele beider Gruppen waren erstaunlicherweise ziemlich deckungsgleich: Fehlendes Personal und fehlende Medizin, obwohl es genügend ausgebildete Krankenschwester gäbe, die „zuhause sitzen, weil der Staat sie nicht einstellt“. Diese Politik sei das Resultat von Auflagen der WELTBANK, die weitere Einstellungen aufgrund der Finanzlage des Staates Malawi verbieten (Aussage M.Manda, und Health Officers).

Nach meinen überschlägigen Berechnungen dürften zwei bis drei solcher kleinen Kliniken für rd. 3000 Menschen dort incl. Personalkosten machbar sein (Größenordnung, weniger als das Brunnenprojekt), aber davon später mehr.

Wie geht es weiter: Die URAC wird einen Ergebnisbericht des Workshops sowie eine Konzeption zur Realisierung vorlegen.

Ich habe übrigens keine Versprechungen gemacht, mit einer Ausnahme, dass wir ein Krankentransport-Fahrrad sponsern werden, was auch ein wichtiges Anliegen war (Transportkosten sind in Malawi eines der größten Probleme).

Weil das jetzt alles so trocken und nüchtern daherkommt noch ein paar Episoden am Rande: Am Vortag hatte ich heftige Verhandlungen mit dem Buchhalter der URAC über alle Einzelpositionen, wie z.B. eine Flasche Öl zum Kochen, Holz (1,20 €), Allowances für die Districtofficer (je rd. 20 €), vier Hähnchen für 20 Leute, einen Schreibblock und einen Kuli für jeden Teilnehmer (ist hier so üblich bei jedem Meeting, die Kulis habe ich natürlich gestrichen, denn ich hatte ja noch genügend im Koffer).

Und heute Morgen gehe ich in die Küche und entdecke da im Topf Teile einer Ziege (- hm, merkwürdig, die stand nicht auf der Rechnung, sehr komisch).
Nachdem dem Workshop gab es dann das Essen für alle Beteiligten, das wird dann immer gereicht, wir bekamen nichts, plötzlich kniete „meine young lady“ neben mir (macht sie immer so) und sagt: „Sir, please come in, with your friend (Rüdiger)“, drinnen gab es dann Fleisch mit viel Knochen, und all die Promis hatten sich auf den Plüschsesseln niedergelassen und bekamen dasselbe. Wir sind aber wieder raus, weil es unter dem Mangobaum sehr viel kühler war und plötzlich fiel mir auf, das alle anderen draußen Hähnchen bekamen und wir Ziege!

Zum Abendessen bekamen wir dann nochmals Ziege (dieses Mal ohne Knochen) mit Spagetti: Also, da gab es nichts zu meckern!

Rüdiger meinte heute Abend, er hätte nicht gedacht, dass der Workshop so effektiv sein würde, und wenn dies ein Lehrer (Naturwissenschafter) sagt, muss das ja stimmen.

Auch der Nachmittag war sehr „erfolgreich“: Besuch und Freigabe aller Brunnen (Bericht folgt).

Deshalb habe ich mir jetzt ein „Mon Cheri“ gegönnt, wie im letzten Jahr hat mir meine liebe Gattin für jeden Tag ein „Mon Cheri“ in den Koffer gelegt, allerdings: Es ist jetzt gerade Halbzeit und schon alle sind weg, muss wohl an mir liegen, denn als Lehrerin und dann auch noch Schwäbin hat sie sicherlich genau gezählt, jetzt habe ich nur noch eine stille Reserve an „Mousse au Chocolat mit Chilli“.

By the way: Jetzt habe schon über ein Dutzend Workshops in Malawi durchgeführt mit immer denselben Problemen, z.B.: Es gibt keine Stifte, oder es gibt kein Tesa (um die Plakate aufzuhängen). Da musste ich doch tatsächlich sechs meiner Nikotinkaugummi (als Klebemittel) opfern und kurz weichkauen. Der Bericht über die Toiletten und Brunnen folgt dann noch.