Malawi 2018–1 Wenn Einer eine Reise tut ...

5.05.18 - Holger Keppel

 

Malawi 2018-1

Malawi Einsatz 2018 / SES Report 1
Wenn Einer eine Reise tut dann gibt es etwas zu erzählen,
oder: Transport, accomodation and food

1.Transport
Das ist eigentlich bei der SES ganz klar geregelt, die SES (SENIOR EXPERTEN SERVICEBONN) übernimmt die Reisekosten bis ins Land, danach ist der Antragsteller zuständig. Im Ankunftsland ist dann die dortige Organisation zuständig, was in der Praxis nicht immer einfach ist.
Anreise über Herrenberg nach Stuttgart mit leichten Problemen, der Zug kam 10 Minuten zu spät und somit wurde der Anschluss an den ICE nach Frankfurt verpasst, kostete eine Stunde war aber genügend Luft so dass das Einchecken noch termingerecht erfolgen konnte.
Der Flug war dann – abgesehen von kleinen Turbulenzen – okay, und wir kamen pünktlich in Lilongwe (LLG) an. Der Flughafen in Addis war wie immer total überfüllt, dito die Raucherbox, die wurde allerdings schon wieder verlegt, dieses Mal anscheind in ehemalige Wasserräume – wenn man dies nach den Kacheln an der Wand beurteilt -, ca. 50% Chinesen und die meisten kamen zu mir wegen meinem Feuerzeug und haben sich dann über meine Chinesisch-Kenntnisse gefreut: NiHao, vermutlich wurden denen bei der Kontrolle das Feuerzeug weg genommen, so wie mir eine halbe Stunde später auch!
In Lilongwe wurden wir dann von Peter Schramm abgeholt und ins Hotel gebracht.
Zuvor noch einen Dongle für den Laptop plus Sim-Karte für das Handy und dann noch Malariatabletten gekauft, hatte mein Rezept auf dem Weg vom Tropeninstitut in Tübingen nach Rottenburg irgendwie verloren und mir in Rottenburg ein neues besorgt, nur die haben nicht genau hingeschaut, die Ration (120 €) reichte nur für 14 Tage, und so habe ich für weitere 12 € weitere Tabletten in LLG, die für weitere vier Wochen reichen, gekauft.
Die Weiterreise am nächsten Tag gestaltete sich dann im Vorfeld etwas komplizierter. Bereits im Februar hat ich mit unserem Freund Bernhard, der schwäbische Kaffeebauer aus Mzuzu, bei seinem Heimaturlaub in Heimsheim verabredet, dass er uns in LLG auf seiner Rückreise von einem Kaffeetransport dorthin mit nach Mzuzu mitnimmt, trotz mehrerer Mails und Whatsapps kam aber keine Reaktion, dafür von den anderen beteiligten NGOs der Hinweis, Bernhard würde uns abholen … Nur: Der hatte dies vergessen! BINGO.
So haben wir dann den SOSOSO-Überlandbus genommen, der startete um 7.00 Uhr und weil wir schon um 6.00 Uhr aufstehen mussten, gab es im Hotel noch kein Frühstück, dafür dann im Bus ein paar Kekse plus Mineralwasser, im Bus musste ich dann noch feststellen , dass ich mein Jacke im Hotel incl. Kamera vergessen hatte, also schnell wieder zurück und gefunden, dann vermisste Rüdiger (mein SES-Kollege, Lehrer für die Tawukaschule) etwas: Wieder zurück ins Hotel, aber leider nichts gefunden.
Zweimal gab es eine sehr knapp bemessene Pinkelpause in Kasunga und in Mzima, und dann erreichte der Bus zielgenau gegen 13.00 Uhr Mzuzu und siehe da: Bernhard war auch schon da und brachte uns zuerst in seine Soul Kitchen, dort mit überraschenden Begegnungen mit der Mutter unseres Mitgliedes Maurice M. samt hübscher „anverlobter“ Enkelin (so schnell kann das gehen), und dann zur Mzuzuzoozoo Lodge.
Am nächsten Tag kamen wir nach einigem Hin und Her dann doch noch mit Felix M. (Tawuka-Direktor) zusammen, er holte uns mit einem Fahrer mit einem kleinen Mazda ab, in den wir mit Mühe und Not unsere Gepäck
(darunter ca. 90kg Schulmaterialien, Beamer, etc) unterbringen konnten.
Dann tauchte auch noch Mr. Mtafu Manda, Senior Lecturer an der Uni und unser NGO-Partner für das Brunnen- und Toilettenprojekt auf, mit viel Gepäck für meine Unterkunft in Chilumba (zwei dicke Kopfkissen, drei Decken, Toilettenpapier, zwei Tassen, Butter, Instantkaffee, Tee usw.), am Ende konnte sich in diesem kleinen Auto keiner mehr bewegen.
Nach etwas über drei Stunden sind wir dann in Chilumba eingetroffen, soweit zum Thema „Transport“. Abends wurden wir dann noch vom Direktor nach Hause zum Essen eingeladen, das war sehr nett.

2. Accomodation
Für die Unterkunft ist die Organisation im Lande zuständig, in anderem Zusammenhang konnte ich der SES klar machen, dass man nach Ankunft in LLG nicht am gleichen Tag nach Mzuzu weiterreisen kann, deshalb übernimmt die SES jetzt die erste Übernachtung, hatte mich eigentlich auf Korean Garden gefreut, aber die haben – warum auch immer – das KIBOKO Hotel im Stadtzentrum bereits vorgebucht, na dann mit 69$ auch nicht gerade billig und dies alles ohne Steckdose im Zimmer: Man konnte keine Geräte aufladen! Der herunterfallende Putz an den Wänden war auch nicht sehr schön, traurig: Iin all diesen Lodges blieb irgendwie die Zeit vor 20 Jahren stehen, da hilft es auch nicht, wenn es in der Kleiderkammer keine Haken und keine Kleiderbügel gibt, dafür aber einen Tresor, der allerdings nicht funktioniert, usw.
Und die Toilette war auch eine Fehlkonstruktion, erhöht mit Stufe, darüber eine Decke, und ich bin prompt runtergehagelt, das Festhalten mit meiner operierten Hand und dem steifen kleine Finger, war dann auch nicht so toll, naja: Ich hab’s überlebt.
Aber der Standort ist zentral und vorteilhaft, wenn man sein Jacke vergisst und so nochmals schnell zurücklaufen kann.
In Chilumba angekommen hat uns Felix dann die Quartiere gezeigt und merkwürdigerweise zur Auswahl gestellt, dabei war doch alles klar! DENKSTE.
Bei Felix dauert es immer etwas länger, bis er der SES Mitteilung erstattet, dass „transport und accomodation“ gesichert ist. Deshalb ist ein erster Lehrerkandidat abgesprungen. Nach seinen Angaben war es klar, wo das Haus liegen würde.
Bei Mtafu Manda ist es ähnlich, wir hatten uns dann verständigt, wenn es im Haus ein „europäisches Klo“ gibt, bin ich einverstanden, dieses Haus hatte er sowieso schon für seine NGO angemietet und es sei an der M1 nur eine Minute von der Tawuka-Schule entfernt, großzügig bot er mir dann allerdings an, ich könnte auch in eine Lodge ziehen, ich habe verzichtet.
Ich stehe also vor meinem Haus, wir werden von einer jungen hübschen Lady begrüßt, und Felix tut so, als könnten wir uns jetzt aussuchen, wer dies Haus besiedeln sollte. Ich fragte die junge Lady: “Kennen sie Mr. Manda?” Ja, das war natürlich zu kurz gefragt, den Malawiern muss man alles aus der Nase ziehen, und bekommt dann meistens eine Antwort, auf eine nicht gestellte Frage. Also in’s Haus hinein, es passte zu der Beschreibung von Manda: „Ganz tolle Lounge mit schönen alten Möbeln des Besitzers“. Nur: Wer braucht schon Plüschmöbel für 15 Personen, dafür dann das Schlafzimmer mit zwei Betten, kein Kleiderschrank, keine Haken, kein Arbeitstisch, einfach nix! Und da meinte doch der guten Felix, zwei Betten, das würde doch für uns reichen, fast „luschtig“.
Also weiter zum nächsten Haus, da war es aber dann etwas dunkel, weil einige Lampen fehlten, im Schlafzimmer war mit zwei Doppelbetten kein Platz mehr, und da fing doch der Felix schon wieder damit an, dass wir beide hier einziehen könnten, mein Kollege Rüdiger (obwohl er den Felix ja noch gar nicht kannte) der wolle uns zusammenlegen, damit er Kosten spart, der wird doch keine schwäbischen Wurzel haben?
Somit war alles klar, und wir sind beide zwischenzeitlich zufrieden.
Beim genaueren Hinsehen befindet sich im Bad kein Waschbecken, die Badewanne (siehe Foto!), aber nach dem zweiten Tag habe ich hinter der Tür tatsächlich eine etwas verrostete Dusche entdeckt. Weil es abends so heiß hier ist, wollte ich das Fenster aufmachen, nicht einfach: Da viel die Glasscheibe raus, zwischenzeitlich repariert (siehe Foto).
Zur „accomodation“ gehört auch „food“ und „Wäschewaschen“.
Am ersten Tag gab es lätschiges Toastbrot mit dem Butterfass von Mr. Manda und seinem Instantkaffee … und nachdem gestern Felix vorbeikam und mir ein Päckchen Spagetti mitgebracht hatte, gab es heute Morgen Spagetti zum Frühstück, mal etwas anderes, gell?
Für Morgen früh wurde mir ein Ei angeboten.
Nein, das soll jetzt neben den Baulichkeiten nicht so NEGATIV rüberkommen, man/lady kümmert sich sehr um mich, fast zuviel, sie tischt mir auf, schenkt mein Glas ein, bedient mich hinten und vorn, also richtig nett, Ihre Mama kocht, habe heute Abend den besten Chambo Malawis gegessen, und alles ohne Gräten!
Die junge Lady heißt Precius Chabinga und hat ein Diplom als „Community Development Assistant“, das hat sie mir gezeigt, und ist bei der NGO von Mtafu Manda angestellt für monatlich rund 300€ brutto, ist 27 Jahre alt, röm. kath. Ich weiß mittlerweile alles …, sie hat nur ein Handy, und als gestern Abend ihr Papa angerufen hatte, hat sie mir Ihr Handy weitergereicht, ich habe ihrem Papa dann erläutert, warum ein Laptop oder zumindest ein Smartphone für seine Tochter wichtig sei, und er hat dann ja gesagt ….
Sie schläft neben mir auf einer Matratze auf dem Boden, wie 54 Mädchen in einer staatlichen Secondary School, welche wir heute besucht haben!
Heute ging es ihr schlecht, Magenbeschwerden, da habe ich mich erinnert, dass ich ja einmal zum Dr. promoviert wurde, und habe ihr homöopathische Mittel verabreicht, hat leider nicht geholfen, sie war heute im Krankenhaus, nicht in der kath. St.Annaklinik (zu teuer), nicht in der staatlichen Klinik (die haben keine Medizin), dafür dann in einer privaten Klinik, die haben festgestellt, dass sie einen „blister inside her womb“ hätte (hört sich nicht so gut an), und haben ihr Medizin verordnet (1200 Kwacha = 1,50 €), sie hatte nur kein Geld dafür (?)
Aber nachdem ich heute für ein Foto 1000 KW ausgegeben habe, vereinbarte ich mit ihr: Sie steuert 200 KW bei, und ich gebe ihr 1000 KW …
Heute Abend kam dann noch der Hausbesitzer vorbei, derzeit wohnhaft in Karonga im Norden, und fragte nach Support im Bibliotheksmanagement. Ich habe ihn gleich an die SES verwiesen. (Hallo Anke, das wäre doch etwas für Dich, Rüdiger kommt im nächsten Jahr wieder an die Schule zur Supervision und Du gehst nach Karonga)
21.00 Uhr: Und ich bin schon wieder müde, heute waren wir den ganzen Tag unterwegs, zwei staatliche Secondary Schools besucht, sehr interessant, gestern fing die Arbeit mit der URAC an: U.a. wie macht man eine richtige Projektabrechnung, gemäß deutscher Bürokratieanforderungen, beim letzten Mal hatte die mir 25 Whatsapp-Bilder geschickt, und am Tag zuvor waren wir an der Tawukaschule unterwegs, Briefe und Geschenke der Paten sowie den Beamer übergeben, incl. Besichtigung des neuen Kindergartens an anderer Stelle und der neuen Schulfarm (alles mit Spendengeldern der Vereins finanziert).
Nächste Woche steht der Health Workshop und die offizielle Übergabe der bisher fertiggestellten Brunnen an.
Fortsetzung folgt …