Malawi 2017–8 die MZUZU UNIVERSITY

27.05.17 - Holger Keppel

 

Malawi 2017-8

Die MZUZU UNIVERSITY

Hi, Prof come on lunch,
oder die MZUZU UNIVERSITY auch Mzuni genannt

Und dann geht los in die Mensa, anscheinend nur für das Uni-Personal, beim ersten Mal eine riesige Schlange, der Senior Lecturer Mtafu Manda, hier jetzt künftig als MM tituliert, geht an der Schlange wie selbstverständlich vorbei und stellt sich vorne an, mich hat er dann zwischen zwei hübsche schwarze Ladys geschoben und laut, damit es wohl alle hören, that’s my Prof from Germany, the Ladys are waiting for you , na denn.

Zuvor muss man an einem Tisch bezahlen, bekommt eine Quittung, ( mit drei Durchschlägen, mit Kohlepapier, wer kennt das noch ? ) ) die man dann bei der Essensausgabe abgeben muss, das Essen ist sehr „abwechslungsreich“, man kann jeden Tag zwischen Reis und Mzima wählen oder zwischen Beef oder Ox-Liver für 1200 KW und dazu gibt’s es immer spinatähnliches Grünzeug mit Zwiebel ist aber sehr gut, da gibt es nichts zu meckern, die Damen bei der Essensausgabe wissen mittlerweile- und amüsieren sich, dass mir eine halbe Portion Reis oder Mzima reicht, wenn es dann eines gibt, kann man noch eine Cola für 350 KW bekommen und das Restgeld wird einem dann auf einem Teller sehr vornehm gereicht.

MM hat immer seinen Tisch an den er einem dann immer dirigiert – wenn er dann überhaupt mal da ist, diese Woche ist er in der Hauptstadt letzte Woche war er in Karonga, hat aber seinen Laden voll im Griff und sendet einem dann in der Nacht Emails mit proposals, die seine NGO- Masterstudenten bearbeiten müssen ( Praktikumsplätze ohne Bezahlung ) –

Einmal war ein Chemieprofessor am Tisch dabei, der mir erzählt hatte, dass er gerade in Wuppertal gewesen sei, scheint ihm irgendwie imponiert zu haben, Düsseldorf und BAYER Leverkusen eher weniger, jedenfalls MM hat lauthals verkündet, hi Prof, bei dem kannst Du Viagra bekommen, der arbeitet daran, ein anderes Mal wollte er mir so kleine rote Früchte andrehen, die stehen da auf dem Tisch und alle bedienen sich, das sollte ich unbedingt nehmen, sei gut für die Potenz. Also man könnte ihn gut nach Südfrankreich oder ins Baskenland versetzen mit seinem Matcho- Gehabe.

MM hat einen eigenartigen Schreibstil, gerade mal zwei Zeilen und ohne Anrede und Gruß
Als ich auf der Suche nach einem Organisator für den Workshop war, hatte ich angefragt, ob er und die Mzuni das machen könnte und gleich noch- falls dies nicht möglich sei Vorschläge gemacht wer da mithelfen könnte z.B. Monica, die ich von einer früheren Zusammenarbeit mit meiner ehemaligen NGO CCODE aus Mzuzu kannte, ebenso Anita, die Leaderin von Malawi People Federation usw. und dass ich den Workshop an der Tawukaschule in Chilumba ( Karonga-Distrikt ) machen wollte, das hatte ihm überhaupt nicht gepasst, er will alles im Mzuzu haben und nachdem alle SES-Vorbereitungen fast abgeschlossen waren, hat er der SES abgesagt, weil Dr. Keppel „sein Projekt “ lieber mit anderen Organisationen machen möchte, das war nicht gerade lustig !

Bereits aus Deutschland hatte ich ihm lang und breit erklärt, dass ich kein Prof wäre , sondern nur so „nebenher“ Dozent, hat ihn aber nicht interessier hat wohl gegoggelt und meine vielen Veröffentlichungen entdeckt und kam deshalb zu dem Schluss, wer so viel schreibt der muss einfach Prof sein. Und so bin ich dies halt für vier >Wochen kann ja nicht ständig widersprechen, wenn er mich überraschend und ohne Vorankündigung der Deputy Vice Chancellor als den GermanProf vorstellt, wäre ja nur peinlich, ansonsten gibte hier sehr wenige Professoren, sondern Senior Lecturers und Lecturers.

Und nachdem was ich so alles über MM von meinen deutsch-malawischen Freunden erfahren habe ( Zitat: Ewag : MM = Hansdampf in allen Gassen) hatte ich doch zugegeben einen leichten Horror ob das gut geht, es ging gut, habe ihm den Schneid abgekauft und er hält zwischenzeitlich große Stücke auf mich, insbesondere nach der Durchführung des Workshops.

Den Vice -Chancelor hatte ich bereits vor drei Jahren kennengelernt ,ein Engländer, der damals das studentische Austauschprogramm mit Nürtingen unterschrieben hatte, er ist noch im Amt, war wg. Malaria in einer Klinik in der Hauptstadt, bis ein Nachfolger gefunden wird, sein Vertrag wurde nicht verlängert. Warum habe ich gefragt, die Antwort war, das sei Politik, weil er von der Vorgängerin des amtierenden Staatpräsidenten installiert wurde, dazu muss man wissen, die Unis hier haben jeweils „nur“ einen Vice-Chancelor, weil für alle Universitäten des Landes der Staatspräsident der Kanzler ist, was u. a. immer wieder zu heftigen studentischen Protesten führt, das gibt es hier tatsächlich , incl. einer total freien Presse, lediglich die TV-Sender sind wohl Propagandaorgane des Staatspräsidenten.

Heute habe ich ihn in der Personal-Mensa getroffen – anscheinend wieder genesen – und ein nettes Gespräch geführt. MM hatte mich ja „ersatzweise“ seiner Stellvertreterin bereits „vorgeführt“, siehe Foto.

Aber eigentlich wollte ich jetzt hier eher über da sehr schöne –weitläufiger Uni-Gelände berichten und was es hier so alles an Instituten gibt.

Bin aber gerade etwas frustriert, schon den ganzen Tag kein Internet, heute Morgen kein Kaffee wg. Stromausfall, dito am Nachmittag und heute Abend gibt es kein Wasser irgendwie schon eher ACH Malawi statt Oh Malawi. Dabei hatte ich bereits drei Berichte zum Versand bereit und werde sie einfach nicht los, naja vielleicht vermisst dies sowie keiner der geneigten Leserschaft. Das habe ich schon vor einigen Tagen geschrieben, am 15.5. gilt aber auch noch für heute Abend ( 22.5.17)

Eine sehr schöne Anlage außerhalb der Stadt mit schönem Grünbestand – dazwischen dutzende von Instituten – .wie übrigens auch alle anderen Unis hier, z.T. noch von den Engländer, sehr schöne Architektur an der Polytechnik in Blantyre, oder an der Verwaltungshochschule in Zomba ( toll) nur, auch hier wieder alles nur heruntergekommen, traurig, man kann von einem großem Unterhaltungsstau sprechen, oder im Fachjargon ein Millionengrab, schlimm.

Den ganzen Tag ist eine Frauenkolonne unterwegs, die mit einem Besen – ohne Stil – den Vorplatz und die Lehm- Straßen fegen, ich frage sie immer, ob sie Kinder hätten und wenn ja gibt es ein paar Stifte, unglaublich wie die sich freuen und wenn sie mich auf dem Gelände sehen winken sie mir immer zu, neben dem German-Prof bin ich jetzt wohl auch noch der Stifte- Onkel, dank Stifte-Stiften.

Trotz Wassermangel ( vielleicht sind es auch eher die Pumpen) gibt es hier in Malawi keine Regenrinnen, das Wasser läuft bei den besseren Gebäuden in eine flache Betonschale, die eigentlich teurer sein müsste als eine Regenrinne und von dort ins freie Gelände bzw. in gemauerte offene Kanäle ( ca. 50 cm tief ) und von dort aus dann ins freie Gelände Wasser sammeln ist hier nicht angesagt.

An unserer Tawukaschule habe ich beim neuen Computerraum doch tatsächlich eine Regenrinne mit schönen weißen Fallrohren entdeckt, Abfluss ins freie Gelände, meinen Vorschlag das Wasser in einer großen Tonne zu sammeln fanden die sehr interessant .

Trotz ständigem Stromausfall, brennt hier an fast jedem Haus den ganzen Tag die nächtliche Außenbeleuchtung, seit 14 Tagen schalte ich diese jetzt jeden Morgen aus, ebenso den Fernseher, der bisher den ganzen Tag lief, obwohl keiner zugeschaut hat, irgendwie muss man sich ja hier nützlich machen, sonst bleibt ja jeder Klimaworkshop nur sinnlos.

Neben der Vorbereitung eines DAAD-studentischen Planer-Austausches mit Nürtingen habe ich mich dann hier noch um „ eine Art des Austausches/Kooperation“ mit unserer Rottenburger Forst-Uni besorgt, das wäre eine gute und wirklich wichtige Hilfestellung. Und würde mich freuen , wenn da etwas ginge, scheint gerade gut auszusehen , das dortige Forstdepartment hat mir heute ein richtig gutes Papier geschickt, dabei war ich erst am letzten Freitag zu einem Meeting dort, klassisch malawisch mit einem Gebet am Anfang und am Schluss, jeder Teilnehmer steht auf und stellt sich persönlich vor jeder lässt jeden ausreden und quatsch nicht dazwischen, sehr diszipliniert, davor hatte man mir noch deren Glasgewächshäuser ( aus Plastik) vorgestellt mit diversen Versuchsanordnungen und einen in Züchtung befindlich kleinen Baobab -Baum, dessen Früchte hätten mehr Vitamin C als Zitronen wurde mir erklärt.

Ja ist schon schön hier, man muss eben alles trotzdem positiv sehen, dann geht’s.

Der Sonntag sei am Langweiligsten hier in Malawi, meinte Bernhard, zumindest als Unternehmer, da könnte man nix schaffen, also haben wir einen Ausflug nach Nkatabay zur Mayoka Village gemacht, inclusive einer Bootsfahrt, eines meiner drei Paradiese hier in Malawi, schön war’s und heiß auch.

22.5.17 22.07 HK / 23.5.17

Gestern 24.5. habe ich dann die gedruckten Broschüren unseres Workshopberichtes abgeholt, mit den URAC Mitarbeiter noch deren letzten Kalkulationen für das Klo- und ein Brunnenprojekt diskutiert und soweit es mir möglich war auch noch die Kosten etwas reduziert. Das überarbeitete Konzept für das Energieprojekt Mbaula-Herd und Solarlampen liegt auch schon sehr detailliert vor. ( Vergleichbar mit unserem erfolgreichen Projekt bei Blantyre )

Fazit :

Also alles in allem meine ich der Aufenthalt hier war erfolgreich, die Menschen in Chilumba waren sehr dankbar für den Workshop und auch noch für den zweiten Termin und die jetzt daraus entwickelten Projektskizzen entsprechen exakt dem Ergebnis des Workshops und was sich die Menschen um Chilumba herum so dringend wünschen, besser gesagt brauchen.
Jetzt muss nur noch das notwendige Geld dazu her, ach hier ist übrigens unser Spendenkonto : DE 47 6039 13100373 0410 04 !

Beim Energiepatenschaftprogramm kann man wieder mit 50 € einen Mbaula-Herd und eine Solarlampe sponsern oder für 100 € einen Mbaula mit mehreren Lampen sowie Handyaufladegerät, um die Beträge so niedrig halten zu können bedarf es für die Grundkosten vor Ort und die Kosten für die Fondgründung, sowie das Einsammeln der Rückzahlungsraten einen größeren Sponsor.

Beim Klo- und dem weiterem Brunnenprojekt ist der Verein allein überfordert hier bedarf es Unterstützung aus den vielen staatlichen Programmen der Entwicklungszusammenarbeit, hier müsste der Verein dann je nach Fördertopf 10 – 30 % übernehmen, darüber hinaus können Spender eine Patenschaft für ein Klo ( 300 € ) übernehmen, das wäre doch einmal etwas anderes  Auch hier soll dies in bewährter Form als Micro-Kredit erfolgen um über die Rückzahlungsraten neue Patenschaften zu begründen. Dies ist übrigens ein landesweit praktiziertes Modell, weil die Familien das „Endprodukt“ aus der Eco San Toilette verkaufen können, oder selbst dadurch teuren Dünger einsparen, somit ist das Klo in drei Jahren i.d.R finanziert.

22.5.2017, 21.46 HK

Zwischenzeitlich sitze ich jetzt bei Renata und Peter im Garten, gestern sind wir nach sechs Autostunden in Lilongwe eingetroffen und ich bin in der Korea Garden Lodge sehr schön untergebracht, den Abend haben wir – mit Bernhard, Julis und Fabian dann bei Schramms verbracht.

Heute dann ein sehr angenehmer und konstruktiver Termin beim Deutschen Botschafter und dem zuständigen BMZ – Referenten, by the way, wenn der Botschafter zuhause bei der Familie seiner Frau in Horb-Mühlen Station macht fahren sie nach Rottenburg ins Krokodil Pizza essen.