Malawi 2017–7 Besuch in Livingstonia

23.05.17 - Holger Keppel

 

Malawi 2017-6

Besuch in Livingstonia

Also über den Titel muss ich noch Nachdenken könnte von grauenhaft bis wunderschön
lauten, oder ganz einfach unverfänglich : Besuch in Livingstonia

Nachdem die bisherigen zwei Besuchen in Tawuka ja Workshop-Termine waren und da keine Zeit blieb die Probleme und Entwicklung unserer Tawuka – Schule anzusprechen, also ein drittes Mal hoch in den Norden nach Chilumba, obwohl Bernhard das in Rekordzeit geschafft hatte, diese zwei bis zweieinhalb Stunden Fahrtzeit bei diesen Straßenverhältnissen gehen mir zwischenzeitlich schon sehr in den Rücken bzw. in die Füße, für Insider LW5/S1 am Tag darauf hatte ich heftige Laufprobleme, deshalb bin ich heute nicht in die Mensa zum Frühstück gegangen sind schon bei diesem großen Uni-Campus 10 Minuten, wäre auch sinnlos gewesen, es hätte kein Frühstück gegeben es gab heute gerade auf dem ganzen Gelände ( 4000 Studenten ) kein Wasser und somit gab es auch kein Mittagessen.

Am Oberschenkel habe ich mir wohl auch noch eine Zerrung zugezogen, vermutlich durch das ständige Autoanschieben, naja nicht wirklich, habe Fotos gemacht wie die anderen beim Anschieben waren, irgendeiner muss das ja dokumentieren.

Zumindest von einem lieben Menschen aus meiner Familie wurden meine Berichte wohl ein bissle Missverstanden, er schrieb mir heute, dass ich wohl diese Mal nicht so zufrieden sei.

Tja, da kann ich doch gleich noch meinen täglichen Kampf mit der Steckdose loswerden, heute war es besonders schlimm, nachdem mir auch der kräftige Nachwächter nicht helfen konnte, habe ich meinen Steckdosenadapter zertrümmert, bis der Laptopstecker in den Adapter und dann in die Steckdose passte, hat geklappt tja Dr.-Ing halt, gell, man muss sich nur zu helfen wissen, ich schaue jetzt nicht in meiner „Bude“ rund herum, ist schon ein bissle bis arg triste, aber ich jammere jetzt nicht und wenn nur auf hohem Niveau.

Nein meine Berichte sind reine Sachdarstellungen, natürlich subjektiv…..:-)

Alles GUT, wie die jungen Leute heute so sagen komme mir mittlerweile auch schon ziemlich deutsch – malawisch vor, was ich ja meinen deutsch-malawischen FreundInnen so gerne vorwerfe, also wenn man mit denen ( z.B. derzeit mit Bernhard, oder dem Kohle-Axel,der besonders heftig ) unterwegs ist, da wird nur geschimpft über Malawi und die Zustände etc. wow !!und am Ende kommt dann, es ist halt doch schön hier…… und wenn ich es dann noch schaffe mir die malawische Gelassenheit anzueignen bin ich dann zuhause wohl kaum noch zu ertragen, wir in Malawi haben die Zeit und Ihr Weißnasen habt eine Uhr, da habe ich doch tatsächlich zum zweiten Mal meine Uhr vermisst, ( Freud lässt grüßen ) aber vor dem Waschraum auf der Luwke-Lodge wiedergefunden, und der Engländer ( der sich später als Schweitzer geoutet hatte ) hat mir geglaubt dass dies meine Uhr sei, I believe you, noch mal Glück gehabt…

Jetzt sollte ich doch eigentlich mal zum Thema kommen: Bernhard hat mich in Tawuka abgeliefert und ist mit Julia und Fabian weiter nach Karonga gefahren, dass die dann dort nicht das tolle von Deutschland finanzierte Museum besucht haben übergehe ich jetzt einfach, jedenfalls wurde ich ziemlich pünktlich wieder in Tawuka wieder abgeholt.

Die rund drei Stunden Diskussion in Tawuka war sehr gut und positiv, mehr an anderer Stelle und dann ging es endlich weiter Richtung Livingstonia, aber zuvor noch ein Kurzbesuch bei Willi auf dessen haw ta——Lodge, ein 71-jähriger Südafrikaner, hippiemäßig, lange Haare langer Bart, Mütze und nackter Oberkörper, naja, zwischenzeitlich hatte die Autobatterie geschwächelt, Austausch mit anderer Batterie von Willi, Weiterfahrt, Anruf von Hauke , dem Besitzer der Lukwe Lodge ( ein Belgier ), er wurde beklaut wir sollten Willi informieren falls er da auftaucht, als zurück zu Willis Lodge, die Batterie hatte jetzt endlich ihren Geist aufgegeben, , nochmals Austausch und wieder anschieben und wieder Richtung Lukwe Lodge; Bernhard wollte wohl Batterie sparen und fährt da im Dunkeln über die „Steinbruch – Straße“ den Berg hoch, der Fabian und ich haben zeitweise mit der Taschenlampe aus dem enster den Straßenrand beleuchtet, also das mußte ja nun wirklich nicht sein, schwäbisches sparen am falschen Platz !!!Irgendwann hat es mir gereicht und habe ihm gesagt: Du ich habe zwei Enkel zuhause…..seine Antwort hat dann die Belegschaft im Auto für nicht veröffentlichungsfähig beurteilt , war doch sehr lustig, der Bernhard mit seinem urschwäbisch hat schon ein ganz schöne Kuddel :-)

Jedenfalls hat er dann endlich Licht angemacht und nach 40 grausamen Minuten sind wir dann endlich an der Luwke Lodge angekommen, dort waren wir privat im letzten Jahr schon einmal, wunderschöne fast paradiesische Anlage Schöne kleine „ Hütte“ auf Stelzen, Waschgelegenheit und Klo befindet sich aber etwa 100 m entfernt im Busch, aber sehr schön.

Wurde noch ein schöner Abend.

Am nächsten Morgen dann weiterer Aufstieg nach Livingstonia, wollte eigentlich einen kleinen historischen Beitrag darüber schreiben über die Wiege der Christianisierung Malawis durch die Free Church of Schottland aus , über Maclear und Blantyre 1875 – 94 im Süden Malawis kommend fanden die Missionare dann einen neuen Standort, dem heutigen Livingstonia und bauten in Nyassaland ( das heutige Malawi ) „ nach GLAGOW ,2006 „der Hinterhof des britischen Kolonialreiches“…eines der größten Missionszentren in Afrika auf, dass dann allerdings nach dem 1. Weltkrieg und dann verstärkt nach dem 2. Weltkrieg seine Bedeutung zunehmend verloren hat, heute beherbergt es noch eine Universität, ein College und zahlreiche Schulen.

Der Aufstieg wäre dann wegen der schlechten Straßenverhältnisse – wie im letzten Jahr doch fast noch gescheitert, in der Nacht hatte es geregnet und auf der Straße lag ein feuchter Film, trotz Allradantrieb und schieben ging nichts mehr, aber Bernard schreckt vor nichts zurück, also über die gesperrte im Bau befindliche neue Straße ging es dann zwischen den Baufahrzeugen durch doch noch nach oben und da hat sich dann sehr gelohnt tolle Kirche die zweitgrößte in Malawi, schöne englische Kolonialarchitektur und einen sagenhaften Ausblick über den See bis Tansania, am Rande einer Kaffeepause bin ich dann noch beim Principal des Technical Colleges gelandet, weil ich Unterlagen und Kosten über den 3. Ausbildungsweg ( ein angedachtes Vereinsprojekt ) haben wollte und nebenbei noch Werbung für die SES- gemacht, er war sehr interessiert, der Hammer war dann allerdings noch, eine ältere Frau kam ins Büro und hat sich vor dem Principal demütig niedergekniet und ihm sein Mittagessen gebracht.

Danach ging es wieder zurück zu Willi, die mittlerweile wieder aufgeladene Batterie wurde eingebaut und bei einem kurzen Rast in einer heimischen Lokalität ( wo wir mit Weißnasenpreisen richtig beschissen wurden) , mussten wir feststellen, dass ein Reifen doch leicht platt war, aber auch dies konnte behoben werden.

Dann nochmals ein Halt um Tomaten für die Soul Kittchen einzukaufen, dabei ist der Wagen dann wieder abgesoffen, aber die Tomatenverkäuferinnen haben kräftig angeschoben, ich konnte leider nicht helfen, da ich ja fotografieren musste  Nebenbei habe ich festgestellt, dass der Reifen schon wieder schwächelt, aber Bernhard hat dies nicht erschreckt, die 50 km bis Mzuzu geht das schon noch, den Bernhard kann einfach nicht erschrecken, der ist in aller Freundschaft ein richtig liebenswertes schwäbisches Urvieh  und durch nichts aus der Ruhe zu bringen.

Kurz vor Mzuzu haben wir dann noch den Hauke von der Lukwe-Lodge getroffen, der erfreut zu berichten hatte, dass sein Mitarbeiter , der seine Gitarre, Laptop u.v.m. geklaut hatte zwischenzeitlich von der Polizei gefasst worden war, insbesondere Fabian und Julia, die sich mit diesem Mitarbeiter angefreundet hatten und dies als großen Vertrauensbruch verstanden und sich während der ganzen Tour damit beschäftigt hatten waren dann doch auch irgendwie „erleichtert“ , mal schauen was die in ihrem blogg darüber schreiben.

Ende gut, alles gut, zwei –trotz kleinerer Widrigkeiten sehr schöne und auch erfolgreiche Tage, erfolgreich, weil gute Gespräche an der Tawuka-Schule, Aufstieg nach Livingstonia geschafft und vor allem wieder heil an der Mzuni angekommen, mehr geht wirklich nicht.

20.5.2017

Literaturempfehlung :
Glagow, Manfred : Die Mkandawres auf Livingstonia, Bielefeld,Wetzlar 2006

und

Glagow, Manfred : Briefe aus Malawi, Beobachtungen aus einem afrikanischen Entwicklungsland, Bielefeld 2004