Malawi 2017–6 Halbzeit, Sonntag, 14.5.2017

22.05.17 - Holger Keppel

 

Malawi 2017-6

Halbzeit, Sonntag, 14.5.2017

Eigentlich könnte ich jetzt bald nach Hause gehen, die von meiner lb.Gattin abgezählten Mon Chéri sind aufgefuttert. Sie hat mich gerade am Telefon zu einem Wellness Wochenende in den Schwarzwald eingeladen, von dort kam sie gerade begeistert zurück, täglich vier Stunden Sport, also das muss ja dann nicht wirklich sein.

Mein Ausdauertraining findet hier am Laptop statt, schon den ganzen Tag alle Internetversuche gescheitert, zwischendurch muss man sich dann mit anderen Dingen beschäftigen, nachdem ich jetzt schon zweimal den Türgriff in der Hand hatte – alles nur Murks hier – habe ich das jetzt repariert und aus der Küchentür zwei Schrauben herausgenommen, die Löcher mit etwas Klopapier aufgefüttert und jetzt ist wieder alles okay, vielleicht repariere ich auch noch die Steckdose, wenn ich von irgendwo her Gips bekomme. Ich stelle einfach immer wieder fest, dass es doch schon sehr wichtig war, dass ich zum Dr.-Ing promoviert wurde. Ansonsten bin ich mal wieder im Wartestand Matufu Manda wollte mich zu einem GREEN BEER abholen: the German always drinking beer.., meint er, ein ulkiger Vogel ist das vielleicht.

Der gestrige Tag war recht erfolgreich, am Vormittag mit Monica die Workshop Dokumentation getextet und begonnen in ein Layout zu fassen und heute hier alles ins Englische übersetzt, ging direkt flott. Dabei sollte eigentlich ein Meeting mit Manda und Luka stattfinden aber keiner war da, außer mir und so gegen 11.00 Uhr kam Manda und zeigte mir auf seinem Laptop das proposal für den studentischen Austausch, das sollte ich dann nächste Woche bearbeiten, kommentieren ?? Weiß auch nicht, eigentlich sitzt da gerade ein Nürtinger Prof drüber, der kann dies viel besser und weil es in Aichtal gerade regnet hat er auch Zeit, schreibt er, und doppelte Arbeit ist ja auch nicht gerade sinnvoll.

Die Kollegen sollten mir hier einen Termin mit dem Forstdepartment, wegen evt. Kontakte mit unserer Forsthochschule arrangieren, aber die jammern nur, dass die Forstleute ihre Mails nicht beantworten, dabei ist dies so einfach einfach 100 m weiter gehen und schon ist man im Forstdepartment, der Dekan und sein Kollege waren richtig erfreut über meinen Besuch und wir haben uns für den kommenden Freitag verabredet, so muss ich halt noch etwas bleiben.

Sorry, da habe ich mich jetzt vertan, das war alles schon vorgestern nach der Rückkunft von Chilumba. Gestern also, am Samstag, fing hier ein langes Wochenende an und keiner sagt wieder mal etwas – natürlich mit geschlossener Mensa – wenn ich dies gewusst hätte, wäre ich die Schramms in Lilongwe heimgesucht.

17.30 der Nachwächter kommt und von Mr. Manda weit und breit nichts zu sehen, obwohl er vor einer Stunde angerufen hatte!

Der Samstag wurde dann doch auch recht gut, am Vormittag kam Kinnear und wir haben im dritten Durchlauf die Kostenkalkulation für das Energieprogramm durchgesprochen und sie ist jetzt fast fertig. Im Hinterkopf hatte ich so eine Größenordnung von 10.000 € im Kopf und tatsächlich lag deren erste Kalkulation bei 12.000 €, jetzt sind wir nach diversen Streichungen bei rd.9000€ angekommen, wenn ich jetzt für die Grund-Vorbereitungs-Marketingkosten eine staatliche Unterstützung oder einen Sponsor finde, können die einzelnen Energiepakete für die Menschen dort auf 50 €, für das kleine Paket ein Mbaulaherd und eine Solarlampe oder für mehrere Lampen plus Herd auf 100€ herunter subventioniert werden. Also das wird klappen!

Ich habe Kinnear dann bei Bernhard zum Essen eingeladen, anschließend bei Shoprite eingekauft und mit dem Taxi wieder zurück und am Abend ging es dann wieder mit dem Taxi rein, zu Bernhard Mzoozoozoo-Lodge. Dort feierte ein Freiwilliger vorzeitig seinen Abschied und noch seinen Geburtstag und mindestens 12 Freiwillige kamen von überall, selbst vom House of Hope aus Lilongwe und Elli und Nora waren auch da. Das war ein richtig netter Abend mit guten Gesprächen und schöner malawischen Musik von einem Sänger aus Nkatabay. Der sog. Kohle- Axel ( in Lilongwe gibt es dann noch den Brillen-Axel) hat mich dann zurück an die Uni gefahren, wie immer schimpfend über die Zustände inMalawi, er ist schon über 20 Jahre hier und hat im Norden eine Kohlemine mit 25 Arbeitern und scheint dringend Personalberatung zu benötigen um aus seiner Mannschaft einen Geschäftsführer herauszulesen, will ihm die SES vermitteln, er hatte in den letzten Jahren schon drei SES-Berater, der erste ein Dr.Koch sei Spitze gewesen, der zweite „ein aufgeblähter ahnungsloser Affe“ und der dritte habe gleich sein Frau mitgebracht, seine Tochter nachkommen lassen und wollte nach einer Woche gleich Urlaub haben, usw. und sofort. So hat eben jeder so seine Probleme.

19.30 von Mr. Manda immer noch keine Spur, wenn er sich jetzt meldet kann er mich mal woanders.

Tja und noch weiter Rückwärts zur Workshopnachlese: Die zweite Fahrt nach Tawuka war wieder erlebnisreich mit Ziegen Kühen, Affen und auf der Straße und liegend gebliebenen großen Tracks, an denen man kaum vorbei kam . Dieser zweite Termin war gut und richtig und es konnten doch einige Punkte abschließend geklärt werden. Unser Direktor Felix trug stolz seine neue blaue Krawatte mit dem Rottenburglogo, die ich ihm zur Eröffnung des Workshops geschenkt hatte ein Seidenmalerei-Produkt meiner Tochter von vor ca. 20 Jahren, da ich „dienstlich“ dort war , sprich als Vertreter der Stadt Rottenburg, hatte ich natürlich auch meine Rottenburger Krawatte an.

Offiziell habe ich dann noch das Stifte-Stiften-Paket (d.h. nur die Hälfte davon) sowie die Briefe der Pateneltern an Ihre Schüler dort übergeben. Zum Abschied bekam ich dann noch von Felix Frau Monica einen Kuchen geschenkt, das ist jetzt mein tägliches Frühstück.

Auf dem Rückweg haben wir dann noch Station im Rumphi gemacht und der dortigen NRG DAMRA, die andere Hälfte der Stifte-Stifte Materialien für Kindergärten und Grundschulen in Jawale übergeben, hier hatte sich der Verein zu Beginn unserer Malawiaktivitäten bereits engagiert.

Ich weiß gar nicht, ob Frau Heidi Jarosch von Stifte-Stiften den materiellen Wert dieser Schulmaterialien – also auf hiesige Verhältnisse bezogen – kennt, bzw. sich dessen bewusst ist, über die Hälfte des Materials war neu und ähnliches habe ich dieser Tag im größten Supermarkt Shoprite einmal angeschaut, das kostet hier zwischen 3 und 7 €, siehe hierzu meine Ausführungen zum Jahreseinkommen in Malawi, deshalb an dieser Stelle nochmals stellvertretend ein herzliches Dankeschön schon allein für die Idee und dann deren Umsetzung, das zweite Paket befindet sich derzeit auch schon im Lande und wird in 10 Tagen Tawuka erreichen.

Apropo Spoprite hier war ich dieser Tage schon einmal einkaufen, u.a. ein Feuerzeug, diese Bedienung wollte das einfach nicht kapieren und musste nebenbei auch noch mit ihrer Kollegin quasseln, dann rief auch noch Bernhard an und ich war völlig konfus. Zurück im Taxi prüfe ich neuerdings immer, ob alles da ist, die Uhr, das Ladekabel, der Fotoapparat, Geldbeutel, alles da, nur wo ist das Handy, oh je war das ein Schrecken, so schnell wie möglich in Shoprite rein…..und…es lag noch an der gleichen Stelle !! Bin eben doch ein Glückspilz.

Beim mitgebrachtem Käse aus Deutschland den sich die Freiwilligen so sehr gewünscht hatten lief es nicht so gut, auf dem Tisch beim Workshop liegen gelassen und gleich war er weg ;-) Naja ein Handy kann man ja nicht essen.