Malawi 2017–5 Besuch auf Bernhard‘s Kaffeefarm

16.05.17 - Holger Keppel

 

Malawi 2017-5

Besuch auf Bernhard‘s Kaffeefarm am Samstag, dem 7. Mai 2017

Und einige spontane grundsätzliche spätabendliche Anmerkungen zur sog. Entwicklungszusammenarbeit

Bernhard Schwarz hatte Zahltag auf seiner Farm in Chipunga und mich eingeladen mitzukommen, das war wieder eine abenteuerliche Autofahrt auf schlechten Straßen, eher einspurige Feldwege durch eine schöne grüne gebirgige Landschaft, Mzuzu und Umgebung liegt auf etwa 1300 Höhenmetern. Während er die Gehälter auszahlte, ich sage jetzt nicht wie hoch, will ja keine Betriebsgeheimisse ausplaudern, liegt aber in der Größenordnung, des malawischen Einkommens, wie im letzten Newsletter dargestellt, hat uns (Julia und Fabian waren auch dabei, bekannt aus früheren Berichten ) ein Vorabeiter durch das Gelände geführt, deshalb weniger Text aber mehr Bilder. Bei den ersten beiden Pflanzen handelt es sich um Kaffee ( rote Frucht ) bei allen anderen geht es um die Produktion der Maccadamia- Nüsse und den dazugehörigen einfachen Maschinen, diese Nuss schmeckt übrigens auch ohne Salz und/oder süß geröstet sehr gut. Der Name stammt übrigens von einem gewissen Mac Dam, der diese Frucht aus Australien mitgebracht und veredelte.

Auf dem Rückweg durfte dann Fabian fahren, er hatte gerade seine malawische Fahrgenehmigung vom Polizeichef von Mzuzu persönlich erhalten, also wir haben es überlebt. Diese beiden sind richtig nett, haben sich eine Auszeit genommen und engagieren sich in Afrika, zuerst Uganda ( Arbeit in einem Kinderheim, jetzt Malawi , dann Südafrika.

Warum ist dies überhaupt erwähnenswert, weil ich auf meinen ersten Bericht von einer Freundin aus Rottenburg die Frage gestellt bekam, warum ich mir dies denn eigentlich antue, in diesem Fall gab es wieder keine Internet und so habe ich nur über whats app geantwortet: gute Frage, nächste Frage, werde Nachdenken ! Jedenfalls habe ich in den letzten fünf Jahren hier so viele nette weiße engagierte Menschen , von den „ schwarzen Menschen “ ganz zu schweigen, kennengelernt, dass ich dies nicht missen möchte, aber das ist ja eher ein erstaunlicher und erfreulicher Nebeneffekt.

Die durchaus berechtigte Frage meiner Freundin aus Rottenburg bewegt mich doch jeden Abend wenn ich bei schlechter Beleuchtung in meinem schummrigen Zimmer sitze, im Hintergrund das versiefte Klo und Dusche und ob das Moskitonetz an der Decke bleibt, weiß ich auch nicht, sowie der tägliche Kampf mit der Steckdose, will mich aber nicht beklagen, laut SES darf ich in ein besseres Quartier umziehen , aber dann hätte ich das tägliche Transportproblem um an die Uni zu kommen.

Viel wichtiger ist was wir in Tawuka bisher – mit unseren Spendern -bewältigen konnte ( ohne staatliche Zuschüsse !!!), und mittlerweile auch mit 37 persönlichen Patenschaften, das Geld kommt 1:1 an, ohne Verwaltungskosten !!!

Sicherlich nur eine Insellösung, aber es gibt viele deutsche Malawivereine mit „Insellösungen“ oder unsere ( Rottenburger -.) Malawi-Mentorin Renata K-Schramm betreut über die WELTHUNGERHILFE mehrere Dutzend Projekte,usw. in der Summe ist dies mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein…….

Und die große Entwicklungshilfe- Politik, pardon das darf man ja nicht mehr sagen, wie ich unlängst aus Rottenburg von der großen Expertin Lioba W. zurechtgewiesen wurde, heißt jetzt ( schon seit 10 Jahren) Entwicklungszusammenarbeit, politische Semantik ? !, da mussten mit großem Kostenaufwand alle GIZ- Dienstfahrzeuge weltweit ( mit dieser neuen Beschriftung )plakativ umgerüstet werden, kostet ja nix ! Vor zwei Jahren war eine MdB- Gruppe des Entwicklungshilfe-Ausschusses in Malawi, ich habe mit allen Teilnehmern Kontakt aufgenommen UND , KEINER/KEINE der „Herrschaften“ hat geantwortet.

Und auf das bürokratische – und zumindest für mich – unverständlich aufwendige – Antragsverfahren bei ENGAGEMENT GLOBAL für diesen kleinen Workshop ( rd. 2700 € ) will ich jetzt gar nicht eingehen, das verdient ein eigenes Kapitel, ich halte mich aber gerade zurück ,will ja auch niemand ärgern und versuchen die in Bonn nochmals für unsere weitere Projekte zu gewinnen. Das Ergebnis dieser Bonner „Behörde“, sprich wie nach deren Vorstellungen so ein Prozess abzulaufen hätte, führte allerdings dazu, dass die Stadt Rottenburg – wegen dieses bürokratischen Aufwandes – jetzt keine Klimapartnerschaft übernehmen wird, dies kann ich verstehen und – leider – auch mittragen, werde aber versuchen es noch umdrehen zu können. Vielleicht ist dazu auch der Termin – den mir Renata vermittelt hat – bei der Deutschen Botschaft mit dem dort zuständigen BMZ-Referenten am Ende meines Einsatzes hier hilfreich.

Tja, nicht nur wie in meinem letzten Newsletter statistisch belegt, die Menschen hier sind wirklich sehr arm, auch wenn sich dies einem auf den ersten Blick nicht erschließt. Wenn ich abends an die frische Luft gehe unterhalte ich mich immer mit den Nachtwächtern, frage nach den Kindern , ein Kleines ist immer dabei, dann greife ich in die „Stifte-Stifte“ Kiste und rücke fünf Farbstifte heraus, Frau H.J. möge mir das bitte nachsehen, der Nachtwächter von gestern Abend kommt in der Dämmerung so gegen 17.30 und passt dann auf mich auf bis morgens um 6.00 Uhr auf, Monatsgehalt 20 €, zwei seiner Kinder arbeiten in Südafrika, weil es hier in Malawi zu wenig Arbeit gäbe.

Lese gerade zwei interessante Bücher über Malawi, ein Einführungskapitel lautet: Malawi, Everbody’s Hinterland. Und auf dem Buchdeckel-Rückseite lese ich gerade : Malawi? Ach, Sie meinen Mali ?!. Fast lustig, denn genau dies erlebe ich in Rottenburg immer wieder auf dem Marktplatz : Das ist aber schön, dass Sie wieder heil zurückgekommen sind….Wieso,… ja bei den Kriegszuständen dort, waren Sie nicht in Mali ?

Hier gibt es so eine Art „ Hausmädchen“, die wöchentlich die Bettwäsche wechselt und sich auch immer in der Küche irgendwie betätigt, die habe ich gefragt, ob jemand meine Wäsche waschen könnte, ja sie würde dies tun, die Seife müsste ich aber zur Verfügung stellen, also eine lange Hose vier Hemden und Wäsche, am Abend war alles fertig ( allerdings ungebügelt. Was sie denn dafür haben möchte ? 1000 Kwacha = 1,20 € !!! Ich war so platt, dass ich erst hinterher dachte ich hätte ihr 2000 KW geben sollen, aber das hätte mir wahrscheinlich heftige Kritik meinen deutsch- malawischen Freundinnen eingebracht, so was tut man nicht! Und dann hat sie mir noch erklärt, dass in dem Zimmer neben mir Maurice, gewohnt hätte, he is my friend !! Der große Traum unserer Freiwilligen ist eine Waschmaschine, das Wäschewaschen sei richtig harte Arbeit.

Und heute Abend kommt der Hausmeister Singini vorbei, der kann ganz schön nerven, will ständig die Miete im Vorraus : Dr. Hoga I have a problem, aha. Er bräuchte dringend privat 6000 KW und würde dies dann bei der nächsten Mietzahlung wieder abziehen, ich sollte ihm dringend helfen, oh je und was jetzt , darf man wohl auch nicht ? Kopfrechnen : sind gerade mal 7.70 € naja das geht, meinen Geldbeutel gesucht und nicht gefunden und Singini zeigte mir wo er lag und meinte ich würde ihn immer an diese Ecke auf Tisch legen, dann hat er mir eine Quittung ganz ordnungsgemäß unterschrieben und meinte die Unterschrift sei das Wichtigste.

12.5.2017