Malawi 2017–4 3.- 4.5. 2017 und 7.5.2017

12.05.17 - Holger Keppel

 

Malawi 2017-4

3.- 4.5. 2017 und 7.5.2017

DER WORKSHOP

Die Initiative und Duchführung dieses Workshops hat eine kleine Vorgeschichte. Unsere Vereinssatzung beinhaltet als Ziel auch einer Städtepartnerschaft, die zumindest ich gerne realisieren würde, dies erscheint mittlerweile auch mir derzeit nicht möglich, da Chilumba hierfür- und ohne entsprechende Verwaltung – zu klein ist, die nächst größere Stadt Karonga, vergleichbar mit Rottenburg am Neckar, würde dann allerdings eine weitere „Baustelle“ ( für den Verein ) bedeuten und dies muss gerade nicht sein, der Verein ist mit Tawuka hinreichend beschäftigt. Als Alternative ergab sich dann eine Projektpartnerschaft, speziell das Klimapartnerschaftsprogramm von ENGAGEMENT GLOBAL, Bonn.

Die Idee hierbei war bzw. ist, die Lebensverhältnisse im Umfeld der Tawukaschule z.B. für die Eltern unserer Schüler, Lehrer und die Community zu verbessern.

Da ich bei einem SES- Einsatz im Mai an der MZUZU UNIVERSITY angefordert wurde, und somit sowieso „ dort bin „ zwei Stunden von Chilumba entfernt ( also keine wesentlichen zusätzlichen Kosten entstehen )entstand die Idee zu diesem Klimaworkshop um zu erfahren wo die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen dort im ländlichen Raum liegen, u.a. auch mit dem Hintergedanken das erfolgreiche Projekt „50 Energie-Patenschaften für 50 Familien“— in Chilumba zu wiederholen. Ein Projekt das alle klassischen Elemente der LA 21 umfasst – und das sehr erfolgreich in drei Dörfern bei Blantyre im Süden umgesetzt werden konnte und heute, statt der geplanten 50 Familien bereits 110 Familien an diesem Programm beteiligt sind.

Die STADT ROTTENBURG am Neckar vertreten durch unseren OB Neher war dankenswerterweise als Projektträger und Antragsteller bereit dieses Projekt zu unterstützen, die Bewilligung traf dann ein Tag vor dem Abflug in Rottenburg ein, an dieser Stelle ein herzliches DANKESCHÖN oder wie man hier im Norden sagt : YEWO CHOMENE an den Klimaschutzmanager Jörg Weber, der die Antragstellung tatkräftig unterstützt hat.

Und so konnte es am 3.Mai 2017 endlich losgehen. Der Workshop war von der MZUZU UNIVERSITY und der Tawuka – Schulleitung sehr gut vorbereitet und die Teilnehmer man könnte fast sagen repräsentativ ausgewählt :

  • 5 Mitglieder des Village Development Commitees
  • 5 Women community members,
  • 5 Men community members
  • 5 Jugendliche, der Tawuka und einer benachbarten Secondary School
  • 3 Forest officiers
  • 2 Geography school teachers,
  • 1 District officier, Priest, Chilumba Garnison representative, Redakteur
  • 6 Chiefs
  • 2 Freiwillige, Schuldirektor Headmaster, Vorsitzende des school- commitees

Der Workshop startete dann mit einer Umfrage bei allen Teilnehmern zu deren Erwartungen (expectations ) zu diesem Workshop, das Ergebnis wurde von den beiden Freiwilligen dann ausgewertet und am Ende des Workshops vorgetragen. Dieses Ergebnis war zumindest für mich sehr überraschend, es wurde weder Geld noch Projekte erwartet sondern vor allem Hilfestellungen, Informationen, Wissen zur Bewältigung der Alltagssituation ( knowledge, civic education ) in den Bereichen

  • Climate ( to use new technologie, Mbaula,solarlamps)
  • Envirement ( proper wast management )
  • Sanitation ( Eco San toilettes)
  • Natural ressources ( training of good farming )

Als nächster Schritt ( STEP 1 ) wurden dann zwei Gruppen gebildet:

1. Problems , 2. Goals, die dort aufgelisteten Punkte wurden von den Gruppen nach Prioritäten gewichtet, dann im Gesamtplenum vorgetragen und dann wechselnden die Gruppen das Thema, die Problemgruppe wechselte zur Zielgruppe, die Zielgruppe zur Problemgruppe um dort jeweils Ergänzungen oder Korrekturen einzubringen. ( STEP 2 )

Der vorgegebene rote Leitfaden für den gesamten Workshop waren zwei Fragen :

  1. Was kann ich, oder meine community selber tun ?
  2. Wo ist Unterstützung von außen erforderlich und warum ?

Betont wurde auch – meinerseits immer wieder – dass das Geld nicht vom Himmel fällt und auch in Deutschland nicht einfach auf dem Boden liegt und nur aufgehoben werden muss.

Eine Schwierigkeit war, dass wohl die Hälfte der Teilnehmer nicht Englisch verstand so dass alles in die Sprache des Nordens Chi-Tumbuka übersetzt werden musste und z.T. dann noch in Chi-Nkhounde, was speziell in Chilumba von der ländlichen Bevölkerung gesprochen wird.

Bei diesem „Sprachenwirrwar“ war es einmal besonders still als ich vorgetragen hatte, nur die Freiwilligen machten mir „komische Zeichen“, die ich nicht verstanden habe, bis eine dann meinte Du redest gerade Deutsch.

Die in der ersten Runde noch sehr unsortierte Problemauflistung,

wie : Entwaldung, Bodenerosion, Überflutungen, Wasserknappheit, hohe Arbeitslosigkeit, frühe Heirat und Schwangerschaft, Armut etc.

Oder bei den Zielformulierungen :

bessere Toiletten, bessere Essenshygiene, Unterkünfte, Wasserqualität, schlechte Behandlung in den Kliniken, genug Essen für alle, Kontrolle des Bevölkerungswachstums etc.

sollten nun im nächsten Schritt ( STEP 3 ) nach Themenvorgaben in kleinen Gruppen sortiert und gewichtet werden, nach der World-Café – Methode.

Folgende Gruppen wurden gebildet :

  1. Climate ( better, healthy cooking, portable/fixed stoves, Mbaula)
  2. Envirement ( waste , wast disposel,, bins )
  3. Sanitation ( waste water, Eco San Toilette, drainage )
  4. Water ( bore hole, waterpipes, water-kiosks)
  5. Natural resources ( forestry, agriculture, fishery )

Nach 20 Minuten wechselnden die Gruppen, z.B. Climate zu Envirement , Envirement zu Sanitation, der Gruppensprecher blieb jeweils an seinem Platz und erläuterte die Ergebnisse, die dann von der neuen Gruppe ergänzt wurden, nach ca. 2 Stunden war der gesamten Gruppentausch beendet und alle Gruppen hatten alle Informationen. Rund 90 einzelne Punkte waren zwischenzeitlich durch Zwischenbewertungen auf 32 reduziert worden, aus Zeitgründen, wurde auf eine erneute Punktebewertung verzichtet.

Am nächsten Tag sollten dann die einzelnen Gruppen im einem letzten Arbeitschritt ( STEP 4, Activities ) aus jedem Bereich ( Climate, envirement, etc…. ) die drei wichtigsten Punkte herausfiltern und Prioritäten bilden, es kamen somit 14 Punkte in die „ Endrunde“ und wurden abschließend von allen Workshop-Teilnehmer einer Punktebewertung von 1-3 unterzogen.

Das Ergebnis war dann doch sehr interessant :

  1. Toilettes 67 Punkte
  2. Safe Water 63 Punkte
  3. By laws on waste matters 36 Punkte ( örtliche Gesetze zur Müllversorgung)
  4. Use of energy Mbaula 32 Punkte ( Benutzung des energiesparenden Herdes)
  5. Farming techniques and inlut loan 29 Punkte ( Agrarhilfe, Anbau und Kredite )

Die genaue Analyse und Interpretation einzelner Ergebnisse durch die Kombination verschiedener gleichartiger Punkte ergibt dann eine etwas andere Reihenfolge bzw. Verschiebung:

  1. Civic Education aus Climate 23P., Envirement 31 P.,Sanitation 19 P. = 73 Punkte
  2. Toilettes…………. 67 Punkte
  3. To use new technologie 33 P plus use of energy Mbaula ( Herd) 32 P 65 Punkte

Einige dieser Punkte waren dann aber doch bezüglich der konkreten Umsetzung unklar geblieben, weshalb ich eine Nachsitzung – mit kleiner Besetzung dort – angeregt hatte, diese erfolgte dann vorgestern am 4.5.2017, zusammen mit Luka, Monica und Kinear sind wir nach Tawuka gereist.

Zusammen mit ca. 15 Personen, die auch schon beim Workshop dabei waren, darunter sechs Chiefs konnten dann dort alle Punkte geklärt werden.

Punkt 3,Mbaula: das Energieprogramm wurde mit großem Beifall angenommen, hierzu hatte ich bereits am letzten Sonntag einen Termin mit der NGO von Kinnear und eine bereits ausgearbeitet Kostenkalkulation diskutiert (und zusammengestrichen ) Ergebnis : machbar!

Punk 2, toilettes: das war dann eine Überraschung, nicht wie von mir erwartet, eine öffentliche Toilettenanlage beim Markt oder neben der Kirche, oder kleinere öffentliche Einheiten in den Dörfern war der Wunsch, nein die Beteiligten wollten private Toiletten, weil aufgrund des sandigen Bodens, die bestehenden Toiletten nach einem Jahr untauglich wären, deshalb wollte man Eco San Toiletten. Die Chiefs haben erklärt, dass sie die Toiletten selber bauen würden und die „bricks „ dazu hätten, es fehle nur am Zement ( und der ist in Malawi wirklich sehr, sehr teuer) Wie beschafft man jetzt Zement und wie wird dieser verteilt ??

Lösung: Matufu Manda, meine Senior Lecturer hier an der Uni, sieht da kein Problem, ich habe ihn gebeten eine „proposal“ mit Kosten auszuarbeiten ( Kommentar und Beratung von Peter Schramm, Lilongwe, erwünscht.

Punkt 1,Civic education, dies schien mir als das schwierigste Problem, insbesondere für uns, wie können wir der Bevölkerung das von dort wirklich wichtige – und eingeforderte – Informations- und Beratungsbedürfnis lösen, das ist ja eigentlich Regierungs- bzw. Distriktaufgabe. Der Kollege Luka, wollte mir einen Termin mit seiner Frau ,Direktorin im Umweltministerium hierzu vermitteln, dazu kommt es jetzt nicht, weil sie heute ein Meeting in Mzuzu hatte und so konnten wir uns bereits heute sehr ausführlich unterhalten, eine sehr kompetente adrette Frau. Sie hat mir erklärt, dass jeder District einen Umweltofficer für diese Aufgaben hat, zudem gäbe es spezielle Radiosendungen, nur im District Karonga zudem Chilumba gehört hätte es ein Problem gegeben, der damals zuständige District Officer hatte bei einer öffentlichen Sitzung erklärt im District Karonga gäbe es keinerlei Umweltprobleme, was die communities so aufgebracht hatte, das der Officer unter Polizeischutz gestellt und dann abgelöst werden musste und jeden Officer (= Beamter) den sie nach Karonga schicken möchte lehne dies sofort ab.

Aber wir fanden eine Lösung, sie wir einen Officer beauftragen mit der NGO von Kinnear Kontakt aufzunehmen um ein Konzept auszuarbeiten.

Fazit:

Alle Beteiligten waren sehr zufrieden über die rege Teilnahme der Workshopbeteiligten, auch die erfahrenen Kollegen Manda und Luka waren sehr beeindruckt. Heute habe ich mit Monica den Dokumentationbericht begonnen wird gut !

Und trotz zusätzlicher Kosten, durch den im Antrag nicht berücksichtigten ( weil nicht bekannten, oder erforderlichen) Vorbereitungstermin und auch den zweiten Workshoptermin liegen wir im bewilligten Finanzrahmen ( noch )

Am Ende gab es noch etwas Streß, wurde zu einem Krisentermin gebeten, die Chiefs machen Ärger weil es dieses Mal keine „allowances, Transportkostenerstattung gab, hatte ich gestrichen, ich habe dann des lieben Friedens Willens nachgegeben und die Chiefs bekamen 2000 KW und alle anderen je 1000 KW, zusammen ( 13 Personen ) rund dann 22,50 €

10% davon zahlt die Stadt Rottenburg, Dank an OB Stephan Neher

90% zahlt ENGAGEMENT GLOBAL, auch dorthin, trotz kritischer Anmerkungen ein herzliches Yewo Chomene aus dem >Norden, oder in der offiziellen zweiten Landessprache Chichewa Zikomo kwambiri

Holger Keppel, 12.5.2017, 21.30

immer noch oder immer wieder ohne Internet ;-) nur doof !