Malawi 2017-3 3.- 4.5.2017

10.05.17 - Holger Keppel

 

Malawi 2017-3

3.- 4.5.2017

An- und Abreise nach und von Chilumba

Und dann ging es mit leichter Verspätung am Mittwoch Richtung Tawuka/Chilumba los. Loudon Luka am Steuer, neben ihm Monica Mwalwanda und Kinnear M. neben mir auf dem Rücksitz eines koreanischen Kleinwagens, hier gibt es fast nur asiatische Autos.

Kinnear wurde mir von der SES ans Herz gelegt, er ist in der Probezeit als möglicher künftiger Repräsentant der SES in Malawi, ein sehr angenehmer gebildeter Mensch, der eine NGO in Ekwendire mit 11 Mitarbeiter schon fast 20 Jahre leitet, Hauptfinanzier seiner NGO ist die UNICEF.

Er und Loudon haben fast währen der ganzen Fahrt politisiert und über die Regierung und Korruption geschimpft und zum Schluss meinte Loudon:

We are so passiv, da habe ich mich dann eingemischt und angemerkt, ihr müsst einfach eine neue Partei gründen : en marche. Das war natürlich nicht korrekt, denn laut SES muss man sich als Senior Experte aus der Politik heraushalten, eigentlich darf man , wie bereits schon einmal ausgeführt als Senior Expert ja gar nichts, nicht einmal arbeiten, sondern nur beraten, heute habe ich nur gearbeitet ,heute bis kurz vor 18.00 Uhr , dachte jetzt wird es Zeit, es war schon sehr dunkel und ich habe mich in dem weitläufigen Gelände doch tatsächlich verlaufen und bin beim Fischery Department gelandet, dort einen Nachwächter angesprochen, der hat mich dann auf den richtig Weg geführt und wollte dann auch noch unbedingt meinen Rucksack tragen, was ich aber abgelehnt habe, obwohl es meiner >Schulter gut getan hätte, die Menschen hier sind einfach nett.

Monica, kenne ich schon seit 2013 von einem Workshop mit der CCODE, ich glaube sie war ein bissle sauer, dass ich nicht auf die Geburt ihres Sohnes vor 1,5 Jahren reagiert hatte, nach der Rückkehr hat sie mir ihn „ vorgeführt“ netter kleiner Kerl, da muss ich noch ein Geschenk kaufen, derzeit macht sie ihren Master in town planning und arbeitet in Mr.Mandas NGO. Urban Afrika Risk Knowledge (URAC).

Loudon Luka ist Geograph und Stadtplaner und hat 17 Jahre in Australien gearbeitet, bis ihn sein alter Freund Mtafu Manda als Lecturer (Dozent) an die Mzuni angeworben hat, deshalb verstehe ich sein Englisch auch am Besten.

Er ist sehr gebildet in Geschichte, Politik etc wir haben gute Gespräche geführt und so nebenbei er kennt die Bundeliga in und auswendig, normalerweise stehen die Malawier auf spanische und englische Vereine, was natürlich total falsch ist. Seine Frau ist Direktorin im Umweltministerium in Lilongwe, er will mir einen Termin vermitteln, das passt gut zu einem wichtigen Ergebnis des Workshops: Civic Education, Knowledge !

Und Senior Lecturer Mr.Mtafu Manda, PhD-Candidate of South Africa, steht auf seinem Briefkopf ist extra gefahren, hatte noch wichtige Termine in Karonga und kam später hinzu, sein erster Akt war dann „seinen“ Banner vom Sommerhut zu entfernen und eigenhändig draußen an der Straße anzubringen.

Zuvor hatte ich vor 40 Teilnehmern, den sehr gut vorbereiteten Workshop in der Landessprache eröffnet :

Tamukelerani neline walcukondwa pakusangika kuno ku chilumba…etc.

Und dann gleich als ersten Schritt die Erwartungen der Teilnehmer abgefragt, dem Finanzier: ENGAGEMENT GLOBAL in Bonn, eine „BMZ-Ableger“ ,war es ein großes Anliegen, dass ich ja keine Erwartungen erwecke , naja ich bin auch erst das 7. Mal in Afrika und dies dürfte mein 12. Workshop sein, finde gerade mein slum-upgrading-booklet nicht, sonst könnte ich dies genauer belegen.

Das Ergebnis diese Abfrage fand ich dann doch erstaunlich, die beiden Freiwilligen haben es über den Tag ausgewertet und am Ende haben wir es bekanntgegeben, da war übrigens nix mit Geldforderungen dabei !!!

Ich fange auch immer mit der Story an, dass es falsch sei, dass in Deutschland das Geld auf der Straße liege und man sich nur bücken müsste ( den Spruch habe ich von Peter Schramm ) neuerdings ergänze ich dies auch noch gerne mit dem Spruch, dass bei uns und auch nicht in Afrika das Geld vom Himmel fällt.

Und innerhalb des ganzen Prozesses hatte ich gebeten bei allen Punkten zwei Fragen zu bedenken und im Hinterkopf zu behalten:

1. >Was kann ich selber, oder meine community tun

2. Und wo brauche ich support von außen.

Mehr zum Workshop aber in einem eigenen Bericht, der noch folgen wird und dann natürlich etwas sachlicher wird , muss ja sein wg. dem Geldgeber.

Am Nachmittag stellte sich dann gegen 15.00 >Uhr heraus, dass die Chiefs ( vier ältere Herren, eine Frau und ein jüngerer Chief ) noch ein anderes Meeting mit Regierungsvertreter hatten, somit war dann Schluss, denn wenn die Chiefs gehen, geht auch das Volk. Vertagung auf nächsten Morgen 8.00 Uhr.

Somit auf die Suche nach einer Lodge, grausamer Feldweg, der Kleinwagen von Loudon hat des Öfteren heftige Bodenberührung wir kamen dann aber doch an.

Sehr schöne Lodge ( von einem Amerikaner ) oberhalb des Malawisee, ich wollte es schon der Elke für künftige Reisen empfehlen, werde ich jetzt aber nicht tun. Es gab drei Kategorien von Zimmern : Gold, Silber, Bronze, nach Besichtigung von Bronze stand klar, ich nicht, eine Kammer mit Außen-Klo und Waschgelegenheit 100 m entfernt, Silber gab es nicht mehr nur noch Gold, da habe ich doch gleich zugegriffen ( 25 US$), die Kollegen waren einverstanden. Der „Verdienst“ aus deren „ allowances“ war dadurch etwas höher.

Aber nicht alles was GOLD ist glänzt auch, keine Moskitonetz, der Boy hat mir dafür einen giftigen Spray in die Hand gedrückt, das Bett hatte überhaupt keinen Leinenbezug naja man ist ja schon einiges gewohnt.

Schlecht geschlafen, das Zimmer war völlig überhitzt, tagsüber hatte es 31 °, was tun Fenster aufmachen, kein Moskitonetz ? Ging aber auch vorbei.

Die Kollegen wollten mich um 7.00 Uhr wecken, aber keiner kam und ich war als erster beim Frühstück unglaublich aber in Afrika stehe ich immer um 7.00 Uhr auf.

Dann ging es weiter mit dem Workshop, am Ende waren alle zufrieden und voller Lobes, nach dem üblichen Gruppenfoto ging es dann zurück nach Mzuzu.

Auf dem Rückweg haben die Kollegen dann unterwegs noch kräftig Fische eingekauft, die dann am Außenspiegel angebunden wurde, dann noch Tomaten und Zuckerrohr, so dass wir im Dunkeln in Mzuzu angekommen sind, sehr gefährlich dieses Fahren bei Nacht in Malawi !

Dort an der Uni angekommen, totaler Stromausfall, war das ein Gefummel mit dem Feuerzeug und dem Schlüsselloch und dann drinnen mit dem Laptop „Licht gemacht „ und die Taschenlampe gesucht und gefunden.

Zwischenzeitlich habe ich mir ein paar Kerzen besorgt.

Ende zweier interessanter und auch erfolgreicher Tage, schauen wir mal was daraus wird. Meine zwischenzeitlich erfolgte Auswertung und Interpretation hat jedenfalls dazu geführt, dass wir am kommenden Donnerstag nochmals nach Chilumba fahren und innerhalb einer kleineren Gruppe die Ergebnisse weiter verifizieren werden. Da einige Positionen günstiger waren, lässt das Budget dies zu, die Entwicklungszusammenarbeits-Bürokratie dann hoffentlich auch.

Das Feedback zu meiner Umfrage, was Sie/Ihr Euch zuhause so vorstellen könntet, was die wichtigsten Bedürfnisse einer ländlichen Bevölkerung hier im Norden so sein könnte lässt sehr zu wünschen übrig, dies nur nebenbei.

Eine so informelle Beteiligung würde auch mögliche weitere Förderung durch ENGAGEMENT GLOBAL zumindest theoretisch beflügeln, ENGAGEMENT GLOBAL liebt umfangreiche beteiligungsprozesse, also BITTE !!!

YEWO Chomene = vielen Dank, kann ja nicht so schwer sein eine spontane, subjektive Äußerung abzugeben, oder? Und wäre doch zudem interessant zu sehen was zuhause so darüber gedacht wird !!!!